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von Marion Bredebusch
Gutes Führungsverhalten bedeutet, die Besonderheiten
im Miteinander der Geschlechter reflektieren zu können.
In unserem Sprachraum benutzen Frauen und Männer zwar
die gleiche Sprache, doch Frauen sprechen anders als Männer.
Beide Geschlechter ordnen sich die Welt anders und schätzen
ihr Gegenüber nach den eigenen Ordnungsrastern ein. Nirgendwo
treten die Unterschiede zwischen Männern und Frauen so
deutlich zutage wie in ihrer Kommunikation. Diese Unterschiede
müssen aber nicht abgewertet werden, sondern lassen sich
produktiv nutzen.
Männer und Frauen sind nicht gleich
In der Zeitschrift "Psychologie heute" war vor kurzem
eine humorvolle Zeichnung abgedruckt. Ein Mann und eine Frau
stehen vor einem Pfarrer, der sagt "Hiermit erkläre
ich Euch zu Mann und Frau". Daraufhin sagt der Mann "Das
waren wir doch schon immer."
Männer und Frauen sind nicht gleich - diese banale Erkenntnis
war lange umstritten; Frauen wollten, um gleichberechtigt
zu sein, gleich oder zumindest ein bisschen "gleicher"
werden. Noch vor 15 Jahren beinhalteten daher spezielle Frauenseminare
vor allem eine Botschaft: Drückt Euch klarer aus,
werdet zielstrebiger, nehmt Euch nicht mehr so für andere
zurück! Letztendlich ging es darum, für das ehrenamtliche
Engagement die Spielregeln der Männer zu lernen, um sich
dort durchzusetzen.
Heute geht es immer noch darum, aber die Botschaft ist differenzierter
geworden: Behaltet Eure Fähigkeiten bei, und lernt zudem,
die männliche Sprache zu sprechen. Warum ist es schlecht,
wenn die Vereinsvorsitzende ihr Konzept als Vorschlag zur
Diskussion stellt und nicht als die einzige Lösung präsentiert?
Frauen legen in ihre Aussagen mehr Gefühl, um die Zuhörenden
so in ihre eigene Wahrnehmung einzubeziehen. Mit diesem persönlichen
Element möchten sie Verbindung schaffen.
Bevor eine Frau auf den Punkt kommt, kommt sie vielleicht
erst auf Nebensächliches wie das Wetter zu sprechen,
um das Interesse zu wecken und eine Beziehung zu den Zuhörenden
aufzubauen. Für Männer hat Kommunikation im Verein
vor allem den Zweck der Übermittlung von Inhalten und
Informationen. Wenn eine Frau unsicher klingt oder offen für
die Meinungen anderer ist, schließt ein Mann fälschlich
daraus, dass sie selbst kein Zutrauen in ihre Fähigkeit
hat, das vorliegende Problem zu lösen.
Frauen sprechen eher eine Beziehungssprache - sie
führen Gespräche, um die Gemeinsamkeiten zwischen
Menschen hervorzuheben. Männer führen eher eine
Berichtssprache - sie führen Gespräche, um
über wesentliche Themen zu berichten und zu entscheiden.
Das zeigt sich in folgenden Verhaltensweisen:
- Männer kontrollieren die Gespräche, Frauen leisten
die Gesprächsarbeit.
- Frauen schauen, dass ein Gespräch läuft, Männer
schauen, was im Gespräch läuft.
- Frauen wollen gemocht werden - Männer wollen gewinnen!
Jede der beiden Seiten geht davon aus, dass das eigene Verhalten
richtig sei, und dass die Welt weniger schwierig wäre,
wenn das jeweils andere Geschlecht sich "genauso"
verhalten würde. Hier wird deutlich, dass nicht das eine
besser oder das andere schlechter ist. Es geht also nicht
mehr darum, die Frauen zu ändern, weil sie vielleicht
Defizite haben und die Führung eines Vereins erst lernen
müssen, damit sie es so machen, wie es vorher die Männer
gemacht haben. Wichtig ist vielmehr, männliche und
weibliche Verhaltensweisen zu kennen und beide Sprachen
zu sprechen.
Männer und Frauen kommen aus zwei unterschiedlichen
Kulturen und kommunizieren dementsprechend unterschiedlich.
Sie sind sich dessen nicht bewusst und glauben, dieselbe Sprache
zu sprechen. Dementsprechend muss und kann auch nicht die
Sprache verändert werden, sondern die innere Einstellung
zu anderen Kulturen.
Ich muss die Kultur des anderen nicht teilen - ich muss sie
nur verstehen und fühlen können. Wenn man sich in
einem fremden Land engagieren möchte, steht und fällt
der Erfolg damit, dass man die Landessprache spricht und die
örtlichen Umgangsformen achtet - aber niemand strebt
an, die Sprache zu ändern.
Wer einmal erkannt hat, wie unterschiedlich Männer und
Frauen - sei es zu Hause, im Verein oder im Beruf - kommunizieren
und Probleme zu lösen versuchen, wird sehr viel leichter
die Achtung, die Unterstützung und das Vertrauen gewinnen,
das er oder sie verdient. Es ist ähnlich wie im Sport:
Wer beim Baseball beidhändig schlagen kann, hat einen
Vorteil gegenüber anderen, die auf eine Seite festgelegt
sind. Ebenso kann man im Kleingärtnerverein lernen, die
ungeschriebenen Regeln und Werte von Männern und Frauen
flexibel zu respektieren, und dadurch die Fähigkeit entwickeln,
sein Verhalten jeweils geschickt anzupassen.
Wer als Vereinsvorsitzende fähig ist, wie ein "Kumpel"
zu reagieren (z.B. bei Sportthemen mit Interesse und Humor
reagiert), hat einen Vorteil. Wer als Mann fähig ist,
wie eine Frau zuzuhören und zu kommunizieren (Verständnisvoll
und auch offen für Beziehungsgespräche), profitiert
ebenfalls im Verein.
Aber wo liegen genau die Unterschiede? Wenn die Männer
lernen wollen die Frauen zu verstehen und umgekehrt, dann
hilft es, typische Muster aufzuzeigen, auch wenn es immer
wieder Frauen und Männer geben wird, die davon abweichen
und nicht in dieses "Schema" passen - das ist ganz
häufig bei Frauen in führenden Ämtern der Fall,
denn sonst wären sie nicht dorthin gekommen.
Hilfreich sind immer Beispiele: Nehmen wir ein Beispiel aus
dem Vereinshaus. Der Schriftführer sagt "Hier ist
so kalt". Die Schatzmeisterin bezieht es auf sich und
hört einen Appell heraus und geht zur Heizung und dreht
sie auf. Das ist die sogenannte Appell-Falle, in die Frauen
tappen.
Wie wäre es umgekehrt? Würde der Mann die Heizung
aufdrehen? Ein Mann wartet auf direkte Botschaften, weil er
so gewohnt ist. Wenn er also sagt "Ich habe bis zum Fest
noch so viel zu tun, ich weiß gar nicht, ob ich das
schaffe," liegt in seiner Aussage nicht der versteckte
Appell, dass seine Vereinskollegin ihm etwas abnehmen soll.
Sie wird es ihm anbieten und er wird sich vielleicht über
die unerwartete Hilfe freuen. Sagt hingegen Sie, dass sie
noch so viel bis zum Osterfeuer zu tun habe, kommt er nicht
von selbst auf die Idee, sich anzubieten, die Organisation
der Getränke zu übernehmen.
Das ist ein Beispiel dafür, dass Frauen, wenn sie mit
Männern zu tun haben, lernen müssen, in direkten
Botschaften zu sprechen, wenn sie von jemandem was wollen
- oder sich nicht wundern dürfen, wenn sie hinterher
alles alleine machen. Mit einer Aussage wie: "Könntest
Du mir die Organisation der Getränke abnehmen?"
kann ein Mann etwas anfangen und ihm ist immer noch die Chance
der Ablehnung gegeben.
Frauen können die Selbstoffenbarung des Gegenüber
erkennen, wissen, was er oder sie will ohne das es explizit
gesagt wird, - das ist eine Führungsqualität - jedoch
können Frauen Gleiches nicht vom Gegenüber
erwarten. Aber was können Männer tun, wenn sie die
Selbstoffenbarung nicht mitbekommen? Männer können
umgekehrt lernen, dass in Sätzen, die in den Raum hineingeworfen
werden, mehr dahinter stecken könnte, als sie hören
und sich als Strategie die Frage aneignen: "Was willst
Du mir damit sagen?".
Und was will dieser Beitrag erreichen? Mehr Verständnis
für und Kenntnis über die Unterschiede in der Kommunikation
von Mann und Frau, um Missverständnisse und falsche Erwartungen
zu vermeiden und so zu einem besseren Miteinander im Vereinsleben
zu kommen.
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