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Der Fachberater Mai 2005, S. 9 - 10

"Männer und Frauen führen anders - auch im Verein!"

von Marion Bredebusch

Gutes Führungsverhalten bedeutet, die Besonderheiten im Miteinander der Geschlechter reflektieren zu können. In unserem Sprachraum benutzen Frauen und Männer zwar die gleiche Sprache, doch Frauen sprechen anders als Männer. Beide Geschlechter ordnen sich die Welt anders und schätzen ihr Gegenüber nach den eigenen Ordnungsrastern ein. Nirgendwo treten die Unterschiede zwischen Männern und Frauen so deutlich zutage wie in ihrer Kommunikation. Diese Unterschiede müssen aber nicht abgewertet werden, sondern lassen sich produktiv nutzen.

Männer und Frauen sind nicht gleich
In der Zeitschrift "Psychologie heute" war vor kurzem eine humorvolle Zeichnung abgedruckt. Ein Mann und eine Frau stehen vor einem Pfarrer, der sagt "Hiermit erkläre ich Euch zu Mann und Frau". Daraufhin sagt der Mann "Das waren wir doch schon immer."
Männer und Frauen sind nicht gleich - diese banale Erkenntnis war lange umstritten; Frauen wollten, um gleichberechtigt zu sein, gleich oder zumindest ein bisschen "gleicher" werden. Noch vor 15 Jahren beinhalteten daher spezielle Frauenseminare vor allem eine Botschaft: Drückt Euch klarer aus, werdet zielstrebiger, nehmt Euch nicht mehr so für andere zurück! Letztendlich ging es darum, für das ehrenamtliche Engagement die Spielregeln der Männer zu lernen, um sich dort durchzusetzen.

Heute geht es immer noch darum, aber die Botschaft ist differenzierter geworden: Behaltet Eure Fähigkeiten bei, und lernt zudem, die männliche Sprache zu sprechen. Warum ist es schlecht, wenn die Vereinsvorsitzende ihr Konzept als Vorschlag zur Diskussion stellt und nicht als die einzige Lösung präsentiert? Frauen legen in ihre Aussagen mehr Gefühl, um die Zuhörenden so in ihre eigene Wahrnehmung einzubeziehen. Mit diesem persönlichen Element möchten sie Verbindung schaffen.

Bevor eine Frau auf den Punkt kommt, kommt sie vielleicht erst auf Nebensächliches wie das Wetter zu sprechen, um das Interesse zu wecken und eine Beziehung zu den Zuhörenden aufzubauen. Für Männer hat Kommunikation im Verein vor allem den Zweck der Übermittlung von Inhalten und Informationen. Wenn eine Frau unsicher klingt oder offen für die Meinungen anderer ist, schließt ein Mann fälschlich daraus, dass sie selbst kein Zutrauen in ihre Fähigkeit hat, das vorliegende Problem zu lösen.

Frauen sprechen eher eine Beziehungssprache - sie führen Gespräche, um die Gemeinsamkeiten zwischen Menschen hervorzuheben. Männer führen eher eine Berichtssprache - sie führen Gespräche, um über wesentliche Themen zu berichten und zu entscheiden.

Das zeigt sich in folgenden Verhaltensweisen:

  • Männer kontrollieren die Gespräche, Frauen leisten die Gesprächsarbeit.
  • Frauen schauen, dass ein Gespräch läuft, Männer schauen, was im Gespräch läuft.
  • Frauen wollen gemocht werden - Männer wollen gewinnen!

Jede der beiden Seiten geht davon aus, dass das eigene Verhalten richtig sei, und dass die Welt weniger schwierig wäre, wenn das jeweils andere Geschlecht sich "genauso" verhalten würde. Hier wird deutlich, dass nicht das eine besser oder das andere schlechter ist. Es geht also nicht mehr darum, die Frauen zu ändern, weil sie vielleicht Defizite haben und die Führung eines Vereins erst lernen müssen, damit sie es so machen, wie es vorher die Männer gemacht haben. Wichtig ist vielmehr, männliche und weibliche Verhaltensweisen zu kennen und beide Sprachen zu sprechen.

Männer und Frauen kommen aus zwei unterschiedlichen Kulturen und kommunizieren dementsprechend unterschiedlich. Sie sind sich dessen nicht bewusst und glauben, dieselbe Sprache zu sprechen. Dementsprechend muss und kann auch nicht die Sprache verändert werden, sondern die innere Einstellung zu anderen Kulturen.

Ich muss die Kultur des anderen nicht teilen - ich muss sie nur verstehen und fühlen können. Wenn man sich in einem fremden Land engagieren möchte, steht und fällt der Erfolg damit, dass man die Landessprache spricht und die örtlichen Umgangsformen achtet - aber niemand strebt an, die Sprache zu ändern.
Wer einmal erkannt hat, wie unterschiedlich Männer und Frauen - sei es zu Hause, im Verein oder im Beruf - kommunizieren und Probleme zu lösen versuchen, wird sehr viel leichter die Achtung, die Unterstützung und das Vertrauen gewinnen, das er oder sie verdient. Es ist ähnlich wie im Sport: Wer beim Baseball beidhändig schlagen kann, hat einen Vorteil gegenüber anderen, die auf eine Seite festgelegt sind. Ebenso kann man im Kleingärtnerverein lernen, die ungeschriebenen Regeln und Werte von Männern und Frauen flexibel zu respektieren, und dadurch die Fähigkeit entwickeln, sein Verhalten jeweils geschickt anzupassen.

Wer als Vereinsvorsitzende fähig ist, wie ein "Kumpel" zu reagieren (z.B. bei Sportthemen mit Interesse und Humor reagiert), hat einen Vorteil. Wer als Mann fähig ist, wie eine Frau zuzuhören und zu kommunizieren (Verständnisvoll und auch offen für Beziehungsgespräche), profitiert ebenfalls im Verein.

Aber wo liegen genau die Unterschiede? Wenn die Männer lernen wollen die Frauen zu verstehen und umgekehrt, dann hilft es, typische Muster aufzuzeigen, auch wenn es immer wieder Frauen und Männer geben wird, die davon abweichen und nicht in dieses "Schema" passen - das ist ganz häufig bei Frauen in führenden Ämtern der Fall, denn sonst wären sie nicht dorthin gekommen.

Hilfreich sind immer Beispiele: Nehmen wir ein Beispiel aus dem Vereinshaus. Der Schriftführer sagt "Hier ist so kalt". Die Schatzmeisterin bezieht es auf sich und hört einen Appell heraus und geht zur Heizung und dreht sie auf. Das ist die sogenannte Appell-Falle, in die Frauen tappen.

Wie wäre es umgekehrt? Würde der Mann die Heizung aufdrehen? Ein Mann wartet auf direkte Botschaften, weil er so gewohnt ist. Wenn er also sagt "Ich habe bis zum Fest noch so viel zu tun, ich weiß gar nicht, ob ich das schaffe," liegt in seiner Aussage nicht der versteckte Appell, dass seine Vereinskollegin ihm etwas abnehmen soll.

Sie wird es ihm anbieten und er wird sich vielleicht über die unerwartete Hilfe freuen. Sagt hingegen Sie, dass sie noch so viel bis zum Osterfeuer zu tun habe, kommt er nicht von selbst auf die Idee, sich anzubieten, die Organisation der Getränke zu übernehmen.

Das ist ein Beispiel dafür, dass Frauen, wenn sie mit Männern zu tun haben, lernen müssen, in direkten Botschaften zu sprechen, wenn sie von jemandem was wollen - oder sich nicht wundern dürfen, wenn sie hinterher alles alleine machen. Mit einer Aussage wie: "Könntest Du mir die Organisation der Getränke abnehmen?" kann ein Mann etwas anfangen und ihm ist immer noch die Chance der Ablehnung gegeben.

Frauen können die Selbstoffenbarung des Gegenüber erkennen, wissen, was er oder sie will ohne das es explizit gesagt wird, - das ist eine Führungsqualität - jedoch können Frauen Gleiches nicht vom Gegenüber erwarten. Aber was können Männer tun, wenn sie die Selbstoffenbarung nicht mitbekommen? Männer können umgekehrt lernen, dass in Sätzen, die in den Raum hineingeworfen werden, mehr dahinter stecken könnte, als sie hören und sich als Strategie die Frage aneignen: "Was willst Du mir damit sagen?".

Und was will dieser Beitrag erreichen? Mehr Verständnis für und Kenntnis über die Unterschiede in der Kommunikation von Mann und Frau, um Missverständnisse und falsche Erwartungen zu vermeiden und so zu einem besseren Miteinander im Vereinsleben zu kommen.

 

 

 

 

 

 

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