Zu den Themenfeldern „Talente, Technologie, Toleranz“ sprach der Regierende
Bürgermeister von Berlin am Dienstagabend in Saarbrücken. Eigentlich sollte Klaus Wowereit über
die „Entwicklungsperspektiven der Landeshauptstadt“ referieren. Im Wesentlichen machte er aber
Wahlkampf für die Saar-SPD und deren Spitzenkandidaten für die Landtagswahl, Heiko Maas.

Angeregt unterhalten sich Charlotte Britz und Klaus Wowereit im
Domicil Leidinger. Heiko Maas (Mitte) hört ihnen zu. Foto: Becker & Bredel
Von SZ-Redakteur Thomas Feilen
Saarbrücken. Augenscheinlich hatten die Organisatoren der saarländischen SPD nicht mit der
großen Anziehungskraft des Hauptredners an diesem Abend gerechnet. Denn die Sitzplätze im
Veranstaltungsraum des Saarbrücker Hotels Domicil Leidinger reichten bei weitem nicht aus.
Nicht nur, dass zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer am Dienstagabend stehen mussten. Viele
versuchten, den Reden und der anschließenden Diskussion von der Terrasse oder der Hotelbar aus
zu folgen.
Aber Klaus Wowereit ist ja nicht nur SPD-Politiker, sondern er ist ja in erster Linie „unser
Regierender Bürgermeister“, wie Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz Klaus Wowereit
in der Anmoderation – eher gedankenversunken als scherzhaft – begrüßte. Zum Einstieg verwies die
Verwaltungschefin auf Projekte wie Eurobahnhof und Stadtmitte am Fluss, wobei sie bei letzterem
das Aufkeimen einer „kleinkarierten Diskussion“ um dieses zukunftsweisende Vorhaben bemängelte.
Wowereit, der mit sonorer Stimme klar und fast frei sprach, ging nach einführenden „Wahlkämpfereien“
auf „die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Strukturwandel im Saarland“ am Beispiel der
Landeshauptstadt ein. Beim Stichwort Talente forderte er mehrfach „Bildung muss kostenfrei sein“
und setzte sich für längeres gemeinsames Lernen in den ersten Schuljahren ein. Das komme einer
Talentförderung ohne Vorbehalte gegenüber der sozialen Herkunft zugute.
Beim Stichwort Technologie bemühte Wowereit den „Deutschland-Plan“ seines Genossen und SPD-Kanzlerkandidaten
Frank-Walter Steinmeier. Der hatte die Schaffung von vier Millionen Arbeitsplätzen, allein zwei davon in der
Umwelttechnologie, versprochen. Hier nannte Wowereit als Beispiel den Export von Solartechnologie, wobei er
betonte, dass die neuen Arbeitsplätze nicht im Niedriglohnsektor liegen dürften. Das war Balsam für die
Seele der großteils sozialdemokratischen Zuhörerschaft. Das Stichwort Toleranz geht dem Berliner Verwaltungschef
nicht weit genug, er spricht lieber von „Akzeptanz“. Darunter versteht er „eine friedlich orientierte
Gesellschaft, in der sich alle an die Regeln halten“.
Nach der viel beklatschten Rede leitete Moderatorin Marion Bredebusch zu einer Diskussion von Wowereit
und Maas mit dem Publikum über. Darin ging es auch um Rot-Rot in Berlin, also die Koalition von SPD und
Linken. Wowereit sieht das eher pragmatisch, solange die Sacharbeit stimme. Maas schloss eine derartige
Koalition auch an der Saar nicht gänzlich aus. Er wolle sozialdemokratische, zukunftsweisende Politik
umsetzen, lasse sich folglich nicht vorschreiben, mit wem er koalieren dürfe oder nicht.
Quelle: SZ, 6.8.2008
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