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Saarbrücker Zeitung, 17.07.2004

Frauen gründen Betriebe anders
Familiäre Pflichten mit der Selbstständigkeit zu verbinden, spielt oft eine große Rolle

Von SZ-Mitarbeiterin Christine Pfeiffer

"Existenzgründung für Frauen". Dieses Modellprojekt hat die Agentur für Arbeit in Saarbrücken ins Leben gerufen. Es ist eine Hilfe für den Start in die Selbstständigkeit und soll Insolvenzen vermeiden.

Saarbrücken. Jetzt fühle sie sich um einige Kilo leichter, um einiges stärker und um 20 Zentimeter größer. So beschreibt eine Teilnehmerin ihr Gefühl nach einer Kurseinheit. Frauen Mut zu machen und Selbstbewusstsein zu vermitteln, genau das ist auch das Ziel des Seminars "Existenzgründung für Frauen", das in diesen Tagen zu Ende geht. Die Agentur für Arbeit in Saarbrücken hat das Modellprojekt ins Leben gerufen. Denn dort haben die Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt zwei Dinge festgestellt: Der Beratungsbedarf ist groß. Außerdem gründen Frauen anders.

"Oft spielt die Frage, wie sich familiäre Pflichten mit der Selbstständigkeit verbinden lassen, eine große Rolle", stellt Brigitte Kugler-Kiehnle von der Arbeitsagentur Saarbrücken fest. "Für Frauen sind oft Kleingründungen oder eine selbstständige Tätigkeit in Teilzeit interessant."

Bildungsträger des Seminars ist die Gesellschaft für Unternehmensanalyse und Betriebsberatung (GUB). Das Existenzgründerbüro der Agentur für Arbeit Saarbrücken hat arbeitslos gemeldete Frauen, die eine Gründung planen, in das Seminar vermittelt. "Mit guter Beratung wollen wir helfen, Insolvenzen zu vermeiden", sagt die Gleichstellungsbeauftragte.

So stehen neben den klassischen Themen wie Rechtsgrundlagen und Kapitalbedarf auch frauenspezifische Themen auf dem Programm. Selbstmarketing und Persönlichkeitsentwicklung zählen dazu. "Untersuchungen zeigen, dass Frauen es immer noch schwerer haben, von Banken Geld zu bekommen", sagt Brigitte Kugler-Kiehnle. Auch deshalb sei es wichtig, ihnen ihre Stärken zu vermitteln: "Wir wollen ihnen einen besonderen Werkzeugkasten mitgeben." Auch nach dem Seminar können sich die Teilnehmerinnen weiterhin in einem Coaching-Programm gezielt beraten lassen.

Die meisten der Teilnehmerinnen sind zwischen 30 und 40 Jahre alt und haben eine qualifizierte Ausbildung. In dem vierzigtägigen Seminar planen sie die nächsten unternehmerischen Schritte, erstellen einen Businessplan. "Dabei stehen ihnen praxiserfahrene Fachreferenten zur Seite", erklärt Uwe Schwan von der Gesellschaft für Unternehmensanalyse und Betriebsanalyse. Damit sich die Weiterbildung auch mit Familie vereinbaren lässt, finden die Kurse vormittags statt.

Auch wenn sich nach dem Seminar einige Frauen gegen den Schritt in die Selbstständigkeit entscheiden, habe das Seminar seinen Zweck erfüllt. Davon ist Brigitte Kugler-Kiehnle überzeugt. Schließlich geht es darum, Frauen bei der Suche nach dem besten beruflichen Weg zu helfen.

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