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Ex-Vorsitzende des SPD-Ortsvereins St. Johann im Gespräch
Saarbrücken (rae). "Vorwärts und nicht vergessen"
- unter diesem Motto befragten Franz-Rudolf Kronenberger,
Vorstandsmitglied der Stiftung Demokratie, und Marion Bredebusch
vom Institut für Gender Moderation und Kommunikation am Freitag
Ex-Vorsitzende der SPD St. Johann über Vergangenheit und Zukunft
des traditionsreichen Ortsvereins. Das Gespräch gehörte zum
Programm des 130. Geburtstages der SPD St. Johann. Rede und
Antwort standen Hans-Jürgen Koebnick, Helmut Müller, Richard
Nospers und Hildegard Redicker. Zunächst wollten die Interviewer
wissen, ob der SPD-Ortsverein Ideen entwickelt und Probleme
angepackt hat.
Dazu erklärte Koebnick: "Natürlich, weil er sich diesen Problemen
gestellt hat. So musste man zum Beispiel nach dem Krieg mit
der schwierigen Frage der Gebietsreform zurechtkommen und
eine sehr kritische Generation, darunter auch die Universitätsstudenten,
einbinden in die politische Arbeit. Auch die Frage der Emanzipation
der Frau war bei uns sehr früh ein Thema. Das waren schon
bewegte Zeiten. Politik heißt Lösung von Problemen. Und das
haben wir ordentlich gemeistert." Natürlich war es auch interessant
zu erfahren, warum eigentlich jemand Ortsvereins-Vorsitzender
wird.
Das verriet Müller: "Da war zum einen der Generationenwechsel,
zum anderen die Möglichkeit, in dieser Funktion aktiv zu gestalten,
vorwärts zu treiben und ein Programm umzusetzen. Die Jahre
1979 bis 1986 waren eine Zeit, in der die Chance bestand,
in dieser Stadt vieles von unserem Programm umzusetzen, eine
Zeit, in der die Sozialdemokratie in Saarbrücken die Bevölkerung
in dieser Stadt mitgenommen hat. 1979 erreichten wir erstmals
die absolute Mehrheit, also die absolute Zustimmung der Bevölkerung."
Und auf die Frage nach seinen Lehr- und Wanderjahren bei
der SPD St. Johann erklärte der frühere Oberbürgermeister
von Saarlouis Nospers: "Ich war seit 1969 in fünf Ortsvereinen,
St. Johann war der dritte. Hier ist sehr viel diskutiert worden,
Mehrheiten wurden gesucht. Auch an Satzungsdiskussionen kann
ich mich erinnern. Ich habe da einmal einen Vorschlag gemacht,
der allerdings nur eine Stimme fand, nämlich meine. Wichtig
ist: Man muss zusammenarbeiten und die Unterschiede beachten."
Welche persönlichen Ziele sie erreicht hat, verriet Redicker:
"Ich war sechs Jahre lang Vorsitzende. 1987 wurde ich zum
ersten Mal gewählt. Angetreten bin ich, weil es jemand anderes
nicht werden sollte. Es war eine sehr ereignisreiche Mitgliederversammlung.
Wir waren dann der erste Vorstand mit mehr Frauen als Männern.
Und das hat wunderbar geklappt. Man muss miteinander leben
und arbeiten, man muss aber auch Spaß mit den anderen haben."
Und welche Wünsche geben die Ehemaligen ihrem Ortsverein mit
in die Zukunft?
Dazu Koebnick: "Wir sollten uns wieder darauf verständigen,
was Politik ist. Politik ist ein langwieriger Prozess. Ein
Teil der Probleme der Gesamtpolitik liegt darin, dass man
sich im politischen Kampf von langfristigen Zielen gelöst
hat. Auch die Frage der Bildung ist nach wie vor ein sehr
kurzfristiges Geschäft. Von der Grundschule bis zur Universität
sind es 20 Jahre. Da muss die Politik beständiger werden,
da kann man nicht alle paar Jahre das Programm ändern."
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