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Saarbrücker Zeitung, 19.08.2002, Lokalausgabe Saarbrücken

"Politik muss beständiger werden"

Ex-Vorsitzende des SPD-Ortsvereins St. Johann im Gespräch

Saarbrücken (rae). "Vorwärts und nicht vergessen" - unter diesem Motto befragten Franz-Rudolf Kronenberger, Vorstandsmitglied der Stiftung Demokratie, und Marion Bredebusch vom Institut für Gender Moderation und Kommunikation am Freitag Ex-Vorsitzende der SPD St. Johann über Vergangenheit und Zukunft des traditionsreichen Ortsvereins. Das Gespräch gehörte zum Programm des 130. Geburtstages der SPD St. Johann. Rede und Antwort standen Hans-Jürgen Koebnick, Helmut Müller, Richard Nospers und Hildegard Redicker. Zunächst wollten die Interviewer wissen, ob der SPD-Ortsverein Ideen entwickelt und Probleme angepackt hat.

Dazu erklärte Koebnick: "Natürlich, weil er sich diesen Problemen gestellt hat. So musste man zum Beispiel nach dem Krieg mit der schwierigen Frage der Gebietsreform zurechtkommen und eine sehr kritische Generation, darunter auch die Universitätsstudenten, einbinden in die politische Arbeit. Auch die Frage der Emanzipation der Frau war bei uns sehr früh ein Thema. Das waren schon bewegte Zeiten. Politik heißt Lösung von Problemen. Und das haben wir ordentlich gemeistert." Natürlich war es auch interessant zu erfahren, warum eigentlich jemand Ortsvereins-Vorsitzender wird.

Das verriet Müller: "Da war zum einen der Generationenwechsel, zum anderen die Möglichkeit, in dieser Funktion aktiv zu gestalten, vorwärts zu treiben und ein Programm umzusetzen. Die Jahre 1979 bis 1986 waren eine Zeit, in der die Chance bestand, in dieser Stadt vieles von unserem Programm umzusetzen, eine Zeit, in der die Sozialdemokratie in Saarbrücken die Bevölkerung in dieser Stadt mitgenommen hat. 1979 erreichten wir erstmals die absolute Mehrheit, also die absolute Zustimmung der Bevölkerung."

Und auf die Frage nach seinen Lehr- und Wanderjahren bei der SPD St. Johann erklärte der frühere Oberbürgermeister von Saarlouis Nospers: "Ich war seit 1969 in fünf Ortsvereinen, St. Johann war der dritte. Hier ist sehr viel diskutiert worden, Mehrheiten wurden gesucht. Auch an Satzungsdiskussionen kann ich mich erinnern. Ich habe da einmal einen Vorschlag gemacht, der allerdings nur eine Stimme fand, nämlich meine. Wichtig ist: Man muss zusammenarbeiten und die Unterschiede beachten."

Welche persönlichen Ziele sie erreicht hat, verriet Redicker: "Ich war sechs Jahre lang Vorsitzende. 1987 wurde ich zum ersten Mal gewählt. Angetreten bin ich, weil es jemand anderes nicht werden sollte. Es war eine sehr ereignisreiche Mitgliederversammlung. Wir waren dann der erste Vorstand mit mehr Frauen als Männern. Und das hat wunderbar geklappt. Man muss miteinander leben und arbeiten, man muss aber auch Spaß mit den anderen haben." Und welche Wünsche geben die Ehemaligen ihrem Ortsverein mit in die Zukunft?

Dazu Koebnick: "Wir sollten uns wieder darauf verständigen, was Politik ist. Politik ist ein langwieriger Prozess. Ein Teil der Probleme der Gesamtpolitik liegt darin, dass man sich im politischen Kampf von langfristigen Zielen gelöst hat. Auch die Frage der Bildung ist nach wie vor ein sehr kurzfristiges Geschäft. Von der Grundschule bis zur Universität sind es 20 Jahre. Da muss die Politik beständiger werden, da kann man nicht alle paar Jahre das Programm ändern."

 

 

 

 

 

 

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