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Saarbrücker Zeitung, 24.02.2006

Gekonnt flirten

Bei Annäherungsversuchen zählt Natürlichkeit - Plumpe Sprüche sollten tabu sein

Von SZ-Mitarbeiterin Christina Korb

An Fastnacht sieht man sie überall: Menschen, die angeregt miteinander flirten. Kommunikationstrainerin Marion Bredebusch gibt Tipps, worauf man bei Annäherungsversuchen achten sollte.

Saarbrücken. Für jedes schüchterne Wesen ist der Weg zum ersten Date meist eine einzige Katastrophe. Sie will ihn, aber er hat noch keinen blassen Schimmer davon. Sie hat es ihm nämlich nicht gesagt. Und so sitzt unser scheues Ding Tag für Tag im Café; um die Ecke und schmachtet ihren Traumtypen an. In ihrer Fantasie ist alles so einfach: Sie geht zu ihm, schenkt ihm ein nettes Lächeln, sagt den perfekten Satz - und schon ist es um ihn geschehen. Tatsächlich aber sagt sie kein Wort - denn er könnte sie ja zurückweisen.

"Schüchterne Menschen denken meistens, sie müssten was ganz Tolles sagen, dabei spielt es eigentlich gar keine Rolle, was man sagt. Hauptsache, es wird überhaupt gesprochen", erklärt Marion Bredebusch aus Saarbrücken. Sie ist als Kommunikationstrainerin und Inhaberin des Instituts für Gender, Moderation und Kommunikation eine Expertin in Sachen Flirten. Die Diplom-Pädagogin bietet seit Jahren Seminare zu diesem Thema an und weiß: Männer sind oft zu aggressiv beim Flirten. Viele müssen lernen, Signale zu erkennen. Erwidern des Blickkontaktes und ein anschließendes Lächeln können Flirtsignale sein. Doch selbst wenn Männer diese richtig erkennen, haben sie oft kein Gespür für den richtigen Zeitpunkt. "Wenn er eine Frau anspricht, die sich gerade mit ihrer besten Freundin unterhält, bekommt er mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Abfuhr!", warnt Bredebusch. Aber auch die Frauen machen Fehler. Manche sitzen mit ablehnender Körperhaltung, zum Beispiel verschränkten Armen, in der Ecke und wundern sich, dass sie nicht angesprochen werden, erklärt die Flirtfachfrau.

Und es gebe noch eine Sache, die viele Frauen lernen müssen: "Sie müssen die Fähigkeit entwickeln, Grenzen zu setzen." Wenn Frauen nicht angesprochen werden wollen, sollten sie am besten gar nicht reagieren." Manche Frauen machen den Fehler, dass sie lächeln, obwohl sie gar kein Interesse haben.

Natürlichkeit kommt an

Ein Pauschalrezept für "richtiges Flirten" gebe es nicht, dennoch sollte man einen Grundsatz beachten: Sei du selbst! Es ist schlecht, wenn der oder die Auserwählte irgendwann feststellt, dass man eigentlich ganz anders ist, als man zu Beginn getan hat, so Marion Bredebusch. Wer schüchtern ist, muss nicht den Draufgänger spielen und umgekehrt. Schüchterne Menschen könnten auf unverfängliche Methoden zurückgreifen, etwa auf eine Einladung zu einem Getränk. Tabu sein sollten hingegen auswendig gelernte Sprüche. Diese wirken meist abgedroschen. Besser ist es, nach Gemeinsamkeiten zu suchen und diese anzusprechen. So bietet ein gemeinsamer Verein beispielsweise ein gutes Gesprächsthema. Auch sonst gibt es zahlreiche Flirthilfen: Ihr habt einen Hund? Na prima! Eine ideale Basis, um Menschen kennen zu lernen. Geht öfter mal mit ihm spazieren, rät Bredebusch. Dabei könntet ihr auf jemanden treffen, der euren Hund so süß findet, dass ihr gleich ins Gespräch kommt! Dann ist euch eine Gemeinsamkeit sicher: Die Liebe zu Hunden!

Mit Charme, Humor und etwas Glück kommt es dann vielleicht zum ersten Date. Um sicherzugehen, dass weiterhin alles gut läuft, rät Marion Bredebusch: Männer sollten aufmerksam sein - und ihr zum Beispiel mal eine Rose schenken. Das liebt sie! Auch wenn sie es nicht immer zeigen, Männer mögen ebenfalls Romantik. "Sie könnte mit ein paar Kerzen für eine romantische Atmosphäre sorgen. Wenn sie romantisch ist, darf sie das ruhig zeigen, das hat nichts mit Frauenklischees zu tun!"

So flirtet die Jugend

Umfrage unter jungen Leuten

Saarbrücken. Was findet ihr nett beim Flirten - was könnt ihr gar nicht leiden? Drei Jungs und drei Mädels erzählen.

Der 18-jährige Michael Hossfeld aus Saarbrücken mag beim Flirten vor allem das Gespräch an sich. Das bedeutet aber nicht, dass er immer die Initiative ergreift: "Ich schätze es, wenn sie den ersten Schritt macht", sagt er.

Thorsten Klein (18) aus Bous mag es nicht, wenn sie aufdringlich ist oder neben ihm noch mit anderen Männern flirtet. Dann hat sie schlechte Karten. "Man sollte mit ihr reden können", betont er. Er achtet bei Frauen auf eine nette Ausstrahlung und auf die Augen.

Der ebenfalls 18-jährige Dennis Schwarz aus Püttlingen findet es beim Flirten besonders schön, wenn man sich gegenseitig anlächelt. Er setzt auf gute Gesprächsthemen, sucht dafür gemeinsame Interessen. Auch Tanzen sei gut geeignet, um das Objekt der Begierde besser kennen zu lernen. "Tanzen ist eine gute Möglichkeit zum Flirten, solange man dabei nicht aufdringlich wird."

Eva-Marie Baumann (17) aus Saarlouis schätzt es, wenn er auf sie zugeht und sie sich nett mit ihm unterhalten kann. Weniger gut findet sie es, wenn ihr Gegenüber die ganze Zeit nur von sich selbst redet - oder mit blöden Anmachsprüchen ankommt. Sie selbst setzt beim Flirten auf ein nettes Lächeln und Humor.

Die 19-jährige Bernadette Hahn aus Sulzbach hält ebenfalls viel von Humor. Natürlich sollte er sein und man sollte sich gut mit ihm unterhalten können. Nicht sonderlich angetan ist sie von Männern, die immer nur von sich selbst erzählen und nicht auf sie eingehen. "Ich mag kein Machogehabe", betont sie. Im Allgemeinen unbeliebt sind vor allem plumpe Anmachsprüche. Auch Stephanie Lippold (19) aus Köllerbach hasst solche Sprüche. Und wenn jemand sie sofort berühren will, hört für sie der Spaß auf. Was sie hingegen mag, ist ein "nettes Gespräch oder eine Einladung zu einem Getränk". CHRISTINA KORB

   

 

 

 

 

 

 

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