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Saarbrücker Zeitung, 30.06.2003, Die große "SZ"-Single-Serie (Teil 15)

"Heute: Schöner schäkern mit der "SZ" - Lektion eins: Betörende Blicke"

Bezirzen statt Baggern - Elf Männer und Frauen lernten beim "SZ" Flirtseminar, wie man gekonnt Kontakt aufbaut

Saarbrücken. Was lernt man in einem Flirt-Seminar? Statt abgedroschener Patent-Rezepte gab Expertin Marion Bredebusch ihren Schülern charmante Ideen und bedeutende Fragen mit auf den Weg in die verlockende Praxis.

- Von Anne Funk -

Bei Super-Sami stehen die Frauen am Ende Schlange. Gerade hält die "komplizierte Kerstin" ihm eine Rose unter die Nase: "Das ist für dich, weil du ehrlich und realistisch bist, und das gewisse Etwas im Esprit hast." Es folgen die "ruhige Yvonne", die "Yoghurt essende Jeanette", die "aufgeweckte Anne" und die "dolle Doris". Bis Sami, einen roten Komplimente-Strauß in der Hand, gar nicht mehr aufhören kann zu lächeln. Und auch der "schicke Carsten", der "fröhliche Frank", der "müde Markus", der "tolle Thomas" und "Trauerspiel-Thorsten" werden nur so mit blumig-ehrlichem Lob überhäuft. Doch zurück zur ersten Begegnung, sechs Stunden zuvor.

Die elf Teilnehmer des "SZ"-Flirt-Seminars unter der Leitung von Marion Bredebusch kennen sich - für das Saarland völlig untypisch - zu Kursbeginn nicht. Daher auch die Attribut-Alliteration im Namen - das prägt sich schneller ein, weiß die Kommunikations-Expertin. Die fünf Frauen und sechs Männer zwischen 23 und 35 sind gespannt: "Wie nehme ich Kontakt auf?" wollen viele wissen, andere sind schlicht neugierig: "Was lernt man überhaupt in einem Flirt-Seminar?" Gleich in der Vorstellungsrunde kommen die Karten auf den Tisch: zum Stichwort schlimmstes/schönstes Flirt-Erlebnis fällt jedem etwas ein - von der plumpen Anmache über charmante Tricks bis zu allzu gierigen Damen, die direkt nach dem ersten Hallo fragen: "Und welches Auto fährst du?"

Schnell wird klar, was Marion Bredebusch immer wieder betont: "Ihr seid bereits Flirt-Experten." Und doch, gibt es eine Menge zu lernen. Als die Parole lautet "Schau mir in die Augen Kleiner/Kleines" etwa, staunen Carsten, Doris und co. nicht schlecht, wie wichtig Augen-Blicke sein können. "Ein Blick sagt mehr als tausend Worte" - fordert Bredebusch die Kontakt-Künstler in spe auf, durch den Raum zu wandeln, Blicke auszutauschen, mal länger, mal kürzer, mit verschränkten Armen oder hochgezogenen Augenbrauen. Ein verlegenes Kichern hier und da, scheues wegblicken, forciertes Starren - die Teilnehmer sind verblüfft über Magie von Mimik und Gestik. Schnell ist man sich einig: Der aufgeschlossene, interessierte Blick betört am besten. Das Objekt der Begierde - tja, wer soll das sein?! Wie soll mein Märchenprinz, meine Traumfrau überhaupt aussehen, denken, fühlen und handeln? Eine Frage, die man unbedingt geklärt haben sollte, bevor man sich an die Betörungskünste auf freier Wildbahn wagt.

Anhand einer Liste mit Charakter-Eigenschaften und Körpermerkmalen sollen die Teilnehmer ihren Traumpartner kreieren. Fragen über Fragen, als es dann zur Auflösung kommt. Die Männer sind verwirrt: "Warum wollt ihr Frauen bloß immer witzige Typen?", will Frank wissen. Seine fünf Geschlechtsgenossen nicken verschwörerisch. Kerstin, Yvonne, Jeanette, Anne und Doris sind sich einig: "Wir wollen doch keinen Kasper, der rund um die Uhr Grimassen schneidet. Sondern einen mit Esprit, der auch mal über unsere Witze lacht." - "Also humorvoll? - na, dann sagt das doch!"

Da war es wieder - das typische Missverständnis der Geschlechter, begleitet, weniger von Verzweiflung, als vielmehr von herzlichen Lachern. Und die elf Frauen und Männer wissen, nach einigem Grübeln, sehr genau, was sie wollen: keine "Backmischung"! Aktive, selbstständige Frauen, fantasievolle Männer, humorvoll sollten sie alle sein - eben so, wie Carsten, Frank, Doris und co. selbst. Wissen, wer man ist, sich selbst bewusst sein, bedeutet die Seminarleiterin, steigert die Flirt-Chancen. Schüchterne, die auf Draufgänger machen? Das kann nur in die Hose gehen. Der Flirt-Experte - ein Ich-Experte! Natürlich, entspannt, mit offenem interessiertem Blick - wer locker wirkt, hat schon mal gute Karten.

Wer dann noch die zehn Flirt-Tipps von Marion Bredebusch (siehe unten) beherzigt - von erstens "Positiv denken!" über "Sei Du selbst!" bis hin zu "Sei spontan!", ist schon mal gut gewappnet und kann wie die "Flirt-Schüler" zur Praxis übergehen: "Jetzt wird's echt!" lautet die Parole: In Gruppen spielen die "Schüler" realistische Flirt-Situationen nach. Und siehe da: Die Manöverkritik des Publikums fällt durchaus positiv aus - hier ein wenig mehr Courage, dort ein bisschen weniger Monolog. Mit dämlichen Anmach-Sprüchen baggert hier niemand. "Dabei sind Flirt-Sprüche an sich gar nicht so schlecht - aber sie müssen zur Person, die sie äußert, passen", erklärt Marion Bredebusch. Womit die "SZ"-Schäkerer" einer der wichtigsten Flirt-Voraussetzungen auf den Grund gehen: Wer bin ich - und wie wirke ich? Besonders delikat die passende Übung: Jeder Seminar-Teilnehmer verfasst eine Kontakt-Anzeige für eine andere Person aus dem Kurs: "Süßes Gummibärchen, humorvoll, aufgeschlossen ... sucht ..."

Na, wer könnte das sein? Umso erstaunlicher, dass Fremd- und Selbsteinschätzung der aufmerksamen Beobachter oft gar nicht so weit auseinander klaffen, wie sich bei der Auflösung herausstellt. Beim finalen Komplimente-Rundgang mit Rosen schäkern die Männer und Frauen locker-leicht und nehmen neben einem dicken Komplimente-Strauß und amüsanten Augenblicken eine Prise Selbsterkenntnis und charmante Ideen mit zurück in die betörende Wirklichkeit.

Mehr zum Thema: Das kleine Flirt-Einmaleins: Ein Lächeln wirkt Wunder
Zehn Regeln für mehr Erfolg beim Schäkern - Expertin Marion Bredebusch öffnet für die "SZ"-Leser ihr Schatz-Kästchen. weiter...

 

 

 

 

 

 

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