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Bezirzen statt Baggern - Elf Männer und Frauen lernten beim "SZ" Flirtseminar, wie man gekonnt Kontakt aufbaut
Saarbrücken. Was lernt man in einem Flirt-Seminar?
Statt abgedroschener Patent-Rezepte gab Expertin Marion Bredebusch
ihren Schülern charmante Ideen und bedeutende Fragen
mit auf den Weg in die verlockende Praxis.
- Von Anne Funk -
Bei Super-Sami stehen die Frauen am Ende Schlange. Gerade
hält die "komplizierte Kerstin" ihm eine Rose
unter die Nase: "Das ist für dich, weil du ehrlich
und realistisch bist, und das gewisse Etwas im Esprit hast."
Es folgen die "ruhige Yvonne", die "Yoghurt
essende Jeanette", die "aufgeweckte Anne" und
die "dolle Doris". Bis Sami, einen roten Komplimente-Strauß
in der Hand, gar nicht mehr aufhören kann zu lächeln.
Und auch der "schicke Carsten", der "fröhliche
Frank", der "müde Markus", der "tolle
Thomas" und "Trauerspiel-Thorsten" werden nur
so mit blumig-ehrlichem Lob überhäuft. Doch zurück
zur ersten Begegnung, sechs Stunden zuvor.
Die elf Teilnehmer des "SZ"-Flirt-Seminars unter
der Leitung von Marion Bredebusch kennen sich - für das
Saarland völlig untypisch - zu Kursbeginn nicht. Daher
auch die Attribut-Alliteration im Namen - das prägt sich
schneller ein, weiß die Kommunikations-Expertin. Die
fünf Frauen und sechs Männer zwischen 23 und 35
sind gespannt: "Wie nehme ich Kontakt auf?" wollen
viele wissen, andere sind schlicht neugierig: "Was lernt
man überhaupt in einem Flirt-Seminar?" Gleich in
der Vorstellungsrunde kommen die Karten auf den Tisch: zum
Stichwort schlimmstes/schönstes Flirt-Erlebnis fällt
jedem etwas ein - von der plumpen Anmache über charmante
Tricks bis zu allzu gierigen Damen, die direkt nach dem ersten
Hallo fragen: "Und welches Auto fährst du?"
Schnell wird klar, was Marion Bredebusch immer wieder betont:
"Ihr seid bereits Flirt-Experten." Und doch, gibt
es eine Menge zu lernen. Als die Parole lautet "Schau
mir in die Augen Kleiner/Kleines" etwa, staunen Carsten,
Doris und co. nicht schlecht, wie wichtig Augen-Blicke sein
können. "Ein Blick sagt mehr als tausend Worte"
- fordert Bredebusch die Kontakt-Künstler in spe auf,
durch den Raum zu wandeln, Blicke auszutauschen, mal länger,
mal kürzer, mit verschränkten Armen oder hochgezogenen
Augenbrauen. Ein verlegenes Kichern hier und da, scheues wegblicken,
forciertes Starren - die Teilnehmer sind verblüfft über
Magie von Mimik und Gestik. Schnell ist man sich einig: Der
aufgeschlossene, interessierte Blick betört am besten.
Das Objekt der Begierde - tja, wer soll das sein?! Wie soll
mein Märchenprinz, meine Traumfrau überhaupt aussehen,
denken, fühlen und handeln? Eine Frage, die man unbedingt
geklärt haben sollte, bevor man sich an die Betörungskünste
auf freier Wildbahn wagt.
Anhand einer Liste mit Charakter-Eigenschaften und Körpermerkmalen
sollen die Teilnehmer ihren Traumpartner kreieren. Fragen
über Fragen, als es dann zur Auflösung kommt. Die
Männer sind verwirrt: "Warum wollt ihr Frauen bloß
immer witzige Typen?", will Frank wissen. Seine fünf
Geschlechtsgenossen nicken verschwörerisch. Kerstin,
Yvonne, Jeanette, Anne und Doris sind sich einig: "Wir
wollen doch keinen Kasper, der rund um die Uhr Grimassen schneidet.
Sondern einen mit Esprit, der auch mal über unsere Witze
lacht." - "Also humorvoll? - na, dann sagt das doch!"
Da war es wieder - das typische Missverständnis der
Geschlechter, begleitet, weniger von Verzweiflung, als vielmehr
von herzlichen Lachern. Und die elf Frauen und Männer
wissen, nach einigem Grübeln, sehr genau, was sie wollen:
keine "Backmischung"! Aktive, selbstständige
Frauen, fantasievolle Männer, humorvoll sollten sie alle
sein - eben so, wie Carsten, Frank, Doris und co. selbst.
Wissen, wer man ist, sich selbst bewusst sein, bedeutet die
Seminarleiterin, steigert die Flirt-Chancen. Schüchterne,
die auf Draufgänger machen? Das kann nur in die Hose
gehen. Der Flirt-Experte - ein Ich-Experte! Natürlich,
entspannt, mit offenem interessiertem Blick - wer locker wirkt,
hat schon mal gute Karten.
Wer dann noch die zehn Flirt-Tipps von Marion Bredebusch
(siehe unten) beherzigt - von erstens "Positiv denken!"
über "Sei Du selbst!" bis hin zu "Sei
spontan!", ist schon mal gut gewappnet und kann wie die
"Flirt-Schüler" zur Praxis übergehen:
"Jetzt wird's echt!" lautet die Parole: In Gruppen
spielen die "Schüler" realistische Flirt-Situationen
nach. Und siehe da: Die Manöverkritik des Publikums fällt
durchaus positiv aus - hier ein wenig mehr Courage, dort ein
bisschen weniger Monolog. Mit dämlichen Anmach-Sprüchen
baggert hier niemand. "Dabei sind Flirt-Sprüche
an sich gar nicht so schlecht - aber sie müssen zur Person,
die sie äußert, passen", erklärt Marion
Bredebusch. Womit die "SZ"-Schäkerer"
einer der wichtigsten Flirt-Voraussetzungen auf den Grund
gehen: Wer bin ich - und wie wirke ich? Besonders delikat
die passende Übung: Jeder Seminar-Teilnehmer verfasst
eine Kontakt-Anzeige für eine andere Person aus dem Kurs:
"Süßes Gummibärchen, humorvoll, aufgeschlossen
... sucht ..."
Na, wer könnte das sein? Umso erstaunlicher, dass Fremd-
und Selbsteinschätzung der aufmerksamen Beobachter oft
gar nicht so weit auseinander klaffen, wie sich bei der Auflösung
herausstellt. Beim finalen Komplimente-Rundgang mit Rosen
schäkern die Männer und Frauen locker-leicht und
nehmen neben einem dicken Komplimente-Strauß und amüsanten
Augenblicken eine Prise Selbsterkenntnis und charmante Ideen
mit zurück in die betörende Wirklichkeit.
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ihr Schatz-Kästchen. weiter...
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