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Saarbrücker Zeitung, August 2003

Der Politik fehlen die Frauen

30 Jahre " AG sozialdemokratischer Frauen " - eine Bilanz

Von Esther Braun

Saarbrücken. Im September wird die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) 30 Jahre alt. Zeit, eine Bilanz ihrer Politik für Frauen zu ziehen. Zeit aber auch, sich von einigen alten Hüten - wenn auch mit Wehmut - zu verabschieden und neue Perspektiven zu entwickeln. Denn die Probleme und die Lebenswirklichkeit von Frauen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. "Das haben wir den Frontfrauen der 70er Jahre zu verdanken", weiß die amtierende AsF-Vorsitzende Sabine Fischer-Theobald. Radikale Feministinnen, wie die, die in den 70er Jahren für die Gleichberechtigung der Frauen stritten und auf die Straße gingen, gehören mittlerweile auch in der AsF zu einer aussterbenden Gattung. Bei vielen jüngeren Frauen hat AsF sogar ein schlimmes Image, erzählt Fischer-Theobald. " Die sagen mir: Was wollt ihr denn noch, wir sind doch gleichberechtigt!".Das Gleichberechtigung aber noch lange nicht Gleichbehandlung mit den Männern bedeutet, sei aber all denjenigen Frauen im Alter von 18 bis 80 Jahren klar geworden, die sich Anfang Juli zur Landeskonferenz "30 Jahre AsF-Frauen in der SPD Saar " getroffen hatten.

Dass die sozialdemokratischen Frauen eingetretene Pfade verlassen, macht die außergewöhnliche, unorthodoxe Organisation dieser Landeskonferenz deutlich. Mit Marion Bredebusch als "Moderatorin" (sie führte für unsere Zeitung bereits "Flirt-Seminare" durch) experimentierten die Frauen mit einer Methode, die man " Open-Space-Konferenz " nennt ("Open-Space" heißt übersetzt "offener Raum"): Statt in festen, bereits konzipierten Arbeitsgruppen, wurden die Themen, die Frauen beschäftigen, gesammelt und dann in offenen Gruppen diskutiert. Während der Veranstaltung konnten die Teilnehmerinnen von Gruppe zu Gruppe wandern, sich verschiedenen Themenfeldern widmen. Entstanden ist daraus eine Dokumentationsmappe, in der Kurz-Protokolle und Forderungen der Frauen zusammengestellt sind.

Blättert man die Mappe durch, findet man zwar wenig inhaltlich Neues. Natürlich wurden die Dauerbrenner-Themen "Vereinbarkeit Familie und Beruf", "Frauenspezifische Gesundheitspolitik" ausgiebig behandelt. Doch es wird auch klar: Die AsF macht sich Gedanken um ihre Zukunft. Weil das "Benachteiligungsbewusstsein" junger Frauen ohne Kinder zunehmend fehle, bleibe eben auch der politische weibliche Nachwuchs aus, bedauert Sabine Fischer-Theobald. Für eine Partei, die zwar die Frauenquote eingeführt hat, weibliche Nachwuchskräfte für politische Ämter aber häufig nur schwer findet, sei diese Entwicklung fatal, merkt sie kritisch an. Politisch erfolgreich könne frau eben nur sein, wenn sie Präsenz zeige. Für erwerbstätig die Frauen mit Familien sei es vielfach unmöglich, Kinder, Beruf und Politik unter einen Hut zu bringen. Die alleinerziehende, berufstätige Mutter eines Sohnes, weiß, wovon sie spricht. Viele der älteren sozialdemokratischen Frauen auch. Die seien mit der Hand voll Teilnehmerinnen unter 30, die Sabine Fischer-Theobald zur Teilnahme hatte bewegen können, ins Gespräch gekommen. Teilweise habe man sich " richtig gefetzt ", denn erst wenn Familie da ist, machen junge Frauen die ernüchternd Erfahrung, dass Sie im Vergleich zu den Männern (und Vätern ihrer Kinder) tatsächlich meist den Kürzeren ziehen, ihre Karriere womöglich ganz beenden, Teilzeit arbeiten oder mit großem Aufwand versuchen, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.

Am 21. September feiert die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen ihr 30. Jubiläum in der Stadthalle Dillingen. Grußworte der Parteiprominenz soll es dann aber nicht geben, versichert Sabine Fischer-Theobald. " Wir brauchen moderne Formen für moderne Frauenpolitik." In Talk-Runden wollen die Frauen wissen, wie ihre Polit-Profis zu frauenrelevanten Themen stehen.

 

 

 

 

 

 

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