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Von Esther Braun
Saarbrücken. Im September wird die Arbeitsgemeinschaft
sozialdemokratischer Frauen (AsF) 30 Jahre alt. Zeit, eine
Bilanz ihrer Politik für Frauen zu ziehen. Zeit aber
auch, sich von einigen alten Hüten - wenn auch mit Wehmut
- zu verabschieden und neue Perspektiven zu entwickeln. Denn
die Probleme und die Lebenswirklichkeit von Frauen haben sich
in den vergangenen Jahrzehnten verändert. "Das haben
wir den Frontfrauen der 70er Jahre zu verdanken", weiß
die amtierende AsF-Vorsitzende Sabine Fischer-Theobald. Radikale
Feministinnen, wie die, die in den 70er Jahren für die
Gleichberechtigung der Frauen stritten und auf die Straße
gingen, gehören mittlerweile auch in der AsF zu einer
aussterbenden Gattung. Bei vielen jüngeren Frauen hat
AsF sogar ein schlimmes Image, erzählt Fischer-Theobald.
" Die sagen mir: Was wollt ihr denn noch, wir sind doch
gleichberechtigt!".Das Gleichberechtigung aber noch lange
nicht Gleichbehandlung mit den Männern bedeutet, sei
aber all denjenigen Frauen im Alter von 18 bis 80 Jahren klar
geworden, die sich Anfang Juli zur Landeskonferenz "30
Jahre AsF-Frauen in der SPD Saar " getroffen hatten.
Dass die sozialdemokratischen Frauen eingetretene Pfade verlassen,
macht die außergewöhnliche, unorthodoxe Organisation
dieser Landeskonferenz deutlich. Mit Marion Bredebusch als
"Moderatorin" (sie führte für unsere Zeitung
bereits "Flirt-Seminare" durch) experimentierten
die Frauen mit einer Methode, die man " Open-Space-Konferenz
" nennt ("Open-Space" heißt übersetzt
"offener Raum"): Statt in festen, bereits konzipierten
Arbeitsgruppen, wurden die Themen, die Frauen beschäftigen,
gesammelt und dann in offenen Gruppen diskutiert. Während
der Veranstaltung konnten die Teilnehmerinnen von Gruppe zu
Gruppe wandern, sich verschiedenen Themenfeldern widmen. Entstanden
ist daraus eine Dokumentationsmappe, in der Kurz-Protokolle
und Forderungen der Frauen zusammengestellt sind.
Blättert man die Mappe durch, findet man zwar wenig
inhaltlich Neues. Natürlich wurden die Dauerbrenner-Themen
"Vereinbarkeit Familie und Beruf", "Frauenspezifische
Gesundheitspolitik" ausgiebig behandelt. Doch es wird
auch klar: Die AsF macht sich Gedanken um ihre Zukunft. Weil
das "Benachteiligungsbewusstsein" junger Frauen
ohne Kinder zunehmend fehle, bleibe eben auch der politische
weibliche Nachwuchs aus, bedauert Sabine Fischer-Theobald.
Für eine Partei, die zwar die Frauenquote eingeführt
hat, weibliche Nachwuchskräfte für politische Ämter
aber häufig nur schwer findet, sei diese Entwicklung
fatal, merkt sie kritisch an. Politisch erfolgreich könne
frau eben nur sein, wenn sie Präsenz zeige. Für
erwerbstätig die Frauen mit Familien sei es vielfach
unmöglich, Kinder, Beruf und Politik unter einen Hut
zu bringen. Die alleinerziehende, berufstätige Mutter
eines Sohnes, weiß, wovon sie spricht. Viele der älteren
sozialdemokratischen Frauen auch. Die seien mit der Hand voll
Teilnehmerinnen unter 30, die Sabine Fischer-Theobald zur
Teilnahme hatte bewegen können, ins Gespräch gekommen.
Teilweise habe man sich " richtig gefetzt ", denn
erst wenn Familie da ist, machen junge Frauen die ernüchternd
Erfahrung, dass Sie im Vergleich zu den Männern (und
Vätern ihrer Kinder) tatsächlich meist den Kürzeren
ziehen, ihre Karriere womöglich ganz beenden, Teilzeit
arbeiten oder mit großem Aufwand versuchen, Beruf und
Familie unter einen Hut zu bringen.
Am 21. September feiert die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer
Frauen ihr 30. Jubiläum in der Stadthalle Dillingen.
Grußworte der Parteiprominenz soll es dann aber nicht
geben, versichert Sabine Fischer-Theobald. " Wir brauchen
moderne Formen für moderne Frauenpolitik." In Talk-Runden
wollen die Frauen wissen, wie ihre Polit-Profis zu frauenrelevanten
Themen stehen.
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