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Trierischer Volksfreund, 18. August 2006 S.1 – 2

Frauen-Streit: Wer ist die bessere Mutter?

Familie und Beruf gegen Kinder und Küche

TRIER. (wie) Deutschland streitet – wer sind die besseren Mütter: berufstätige Frauen oder Hausfrauen? Passen Kind und Karriere zusammen? Tagesschau-Sprecherin Eva Herman hat die Diskussion mit provokanten Thesen ausgelöst: Familie und Job seien für Frauen nicht unter einen Hut zu bringen.

„Frauen zurück an den Herd.“ Diese Forderung von Eva Herman, 47, Mutter eines achtjährigen Sohnes und Karrierefrau (Tagesschausprecherin, Moderatorin und Autorin) bringt Deutschlands Frauen auf die Palme. Kann eine berufstätige Frau auch eine gute Mutter sein? Selten zuvor wurde derart heftig über das Frauenbild in Deutschland diskutiert. Herman hatte bereits im Mai in einem Beitrag des Magazins „Cicero“ das Ideal des Hausfrauendaseins beschworen und den Feminismus verantwortlich gemacht für den Geburtenrückgang. Doch erst jetzt, kurz vor Erscheinen ihres Buches zu dem Thema und ihrem angeblich selbst gewählten Ausstieg aus der Tagesschau, schlagen die Wellen hoch.

Nirgendwo werde es berufstätigen Frauen mit Kindern so schwer gemacht wie in Deutschland, weil eine gute Mutter nicht berufstätig sein dürfe, kritisiert Marion Bredebusch, Sprecherin des Saarbrücker Ablegers des weltweiten Netzwerks berufstätiger Frauen (BPW). „Da sind die Schuldigen gleich gefunden: Die bösen Frauen, die ja nur arbeiten, um sich selbst zu verwirklichen.“

Wenn man wohlsituiert wie Eva Herman sei, könne man „wunderbar solche Sprüche klopfen“, ärgert sich auch Birgit Groß, Frauenbeauftragte des rheinland-pfälzischen Gewerkschaftsbundes. Die Thesen zeigten, dass die Hamburgerin keine Ahnung von der Arbeitswelt und den Nöten der Frauen habe.

Die Realität in Deutschland sieht in der Tat anders aus. 59 Prozent der Mütter sind berufstätig, Tendenz: steigend. Rückendeckung erhält Herman von der auch in der Region aktiven Initiative „Familie sind wir“. „Kann es sich eine Gesellschaft leisten, auf solch eine Arbeit zu verzichten, wie sie nur Mütter und Hausfrauen vollbringen?“, heißt es in einem Brief an die Bundesfamilienministerin. Vor allem in der Region Trier ist das Rabenmütter-Image stark verbreitet. Nirgendwo in Deutschland werden berufstätige Mütter so sehr kritisiert wie hier. 62 Prozent der Menschen zwischen Eifel und Hunsrück sind überzeugt, dass Mütter, die arbeiten gehen, Rabenmütter sind, ergab vor zwei Jahren eine repräsentative Umfrage.

THEMEN DER ZEIT SEITE 4
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