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Wirtschaftsblatt, Samstag, 11. Juni 2005 - Seite 25

TEAMBILDUNG Unter dem dem Motto "Gender Diversity" werden Frau und Mann aufeinander losgelassen
Geschlechter-Trennung macht im Job wenig Sinn

Teams mit ausgeglichener Männer- und Frauenquote sind der Idealfall. Doch wie überlebt eine Frau in einem Männerteam - und ein Mann in einem Frauenteam?

Frauen und Männer denken anders und reden aneinander vorbei - wie oft haben wir das gehört? Doch eben diese Unterschiede können Unternehmer nutzen. "In gemischten Teams lassen sich weibliche und männliche Kompetenzen ideal ergänzen", sagt der Unternehmensberater und Trainer Alfred Faustenhammer. So nähern sich Männer jedem Problem von einer fachlich-technischen Seite. "Männerteams tendieren zur Verbrüderung und einigen sich in diesem Sinn recht schnell. Die naheliegendste Lösung ist aber nicht immer die beste", sagt Faustenhammer. Sind genug Frauen im Team, dann lässt sich ein solcher Schnellschuss verhindern. "Frauen haben eine komplexere Wahrnehmung als Männer. Sie hinterfragen mehr die Hintergründe eines Problems, denken an Details und auch auf zwischenmenschliche Aspekte", sagt Marion Bredebusch, Geschäftsführerin des Instituts für Gender, Moderation und Kommunikation.

Rivalinnen unter sich

Reine Frauengruppen bringen auch Konflikte mit sich. Bredebusch: "Frauen konkurrieren viel stärker miteinander. Es geht dabei nicht nur um den Beruf, sondern auch um Privates und das Aussehen." In Frauenteams kann es daher viel härter zugehen. "Da man im Sinne der Frauensolidarität Rivalität nicht offen zeigen darf, geht man zur indirekten Aggression über - vernichtende Blicke, Gerüchte und soziale Ausgrenzung", so Bredebusch.
Mixed Teams können Ausgleich schaffen, allerdings erst bei einem Geschlechterverhältnis von 40 bis 60 Prozent. Faustenhammer: "Alibi-Frauen und -Männer haben alledings kaum eine Möglichkeit, sich durchzusetzen." Und jeder Fehler der/des Einzelkämpferin/s wird doppelt wahrgenommen.
Gemischte Teams beiten die Chance, die Sprache der "Anderen" zu erlernen. Männer pflegen den sachlichen Ton, Frauen bauen in ihren Gesprächen Beziehung auf. Ein Wissen, das sich im Kundenkontakt bezahlt macht. "Frauen entscheiden über 80 Prozent des Privateinkommens. Es ist daher oft besser, die Frau und nicht den Mann bei einem Verkaufsgespräch ins Visier zu nehmen. Und eine kleine private Plauderei kann dabei auch nicht schaden", sagt Bredebusch.
Einige Unternehmen setzen Gender Diversity bereits zu ihrem Wettbewerbsvorteil ein. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gemischte Teams viel besser kommunikativ agieren können. Probleme werden tiefer gehend diskutiert. Taucht ein Verständnisproblem auf, wird es sofort in die männliche oder weibliche Sprache übersetzt", sagt René Weihsinger, Koordinator aller Veränderungsprozesse bei der Robert Bosch AG. In einigen "Männerberufen" lässt die gewünschte Teammischung noch auf sich warten. "Zurzeit liegt der Frauenanteil in unserer technischen Entwicklungsabteilung bei zehn Prozent. Wir suchen gezielt nach Mitarbeiterinnen für diesen Bereich. Mit dem Töchtertag wollen wir Mädchen für technische Berufe begeistern", so Weihsinger.
KARIN MOSER
k.moser@wirtschaftsblatt.at

ÜBERLEBENSTIPPS FÜR FRAUEN (VON MARION BREDEBUSCH)

Wie überlebe ich als einzelne Frau in einem Männerteam?

  • Sprechen Sie in klaren direkten Botschaften - nicht mit indirekten Appellen arbeiten, die verstehen Männer nämlich nicht. Also nicht in den Raum werfen "Meine Mutter ist krank, ich müsste sie im Krankenhaus besuchen" und erwarten, dass die Kollegen da heraushören: "Kannst Du die Sitzung verlegen?"
  • Nicht die eigene Weiblichkeit verleugnen. In dieser Minderheit werden Sie sowieso als Frau und nicht als geschlechtsneutrales Wesen wahrgenommen. Frauen haben genug Nachteile, also ruhig die Vorteile nutzen und den Charme einsetzen - wenn es für Sie selbst stimmig ist.
  • Ihre Ideen gehen unter - doch einige Zeit später wiederholt ein Kollege Ihren Vorschlag und alle greifen ihn begeistert auf? Männer brauchen eben länger um auf eine Lösung zu kommen. Mit diesem Wissen können lächeln und denken: "Haben Sie es auch endlich gemerkt?". Es kann sein, dass ein charmanter Hinweis gut passt.
  • Sachlich bleiben: Männer haben vor nichts mehr Angst als vor emotionalen Frauen.

ÜBERLEBENSTIPPS FÜR MÄNNER (VON MARION BREDEBUSCH)

Wie überlebe ich als einzelner Mann in einem Frauenteam?

  • Wenn Ihnen nicht klar ist, was eine Frau Ihnen mit einer Aussage sagen will, fragen Sie sie! Meistens will Sie einen Appell loswerden und ist dann sauer, wenn Sie nicht reagieren.
  • Wenn eine Kollegin über die andere lästert - halten Sie sich da raus.
    Es ist nichts schlimmer, als zwischen den Fronten konkurrierender Frauen zu stehen. Selbst wenn Sie nur nicken oder "hmm" sagen: Das wird als Zustimmung interpretiert. Formulieren Sie klar, dass Sie damit nichts zu tun haben wollen.
  • Sie werden der Hahn im Korb sein - genießen Sie es! Sie werden verschiedene Frauen erleben, diejenigen, die Sie mütterlich umsorgen, diejenigen, die Sie umwerben und diejenigen, die Sie nicht mögen, weil sie ein Mann sind. Lassen Sie es zu!
  • Es muss sein: Seien Sie ein Frauenversteher! Damit Sie nicht von den Frauengesprächen ausgeschlossen werden, lassen Sie die Kolleginnen ruhig mit Ihren Problemchen zu Ihnen kommen. Hören Sie verständnisvoll zu und geben Sie bloß nicht ungefragt Ratschläge.

Kommentar

Die letzten Helden der Arbeit

Experten wissen es: Gemischte Teams sind ideal - also nicht nur Frauen oder nur Männer in einer Mannschaft, sondern von beidem etwas (siehe Artikel links). Nur kommt es in der Praxis leider vor, dass frau oder man zwischen feindlichen Objekten allein gelassen wird - etwas weil das Schlagwort "Gender Diversity" für den Vorstand wie ein PC-Programm klingt. Das Überleben als Einzelkämpfer/in könnte zu den letzten Herausforderungen unserer Zivilisation gehören: Frauen, die täglich Wortrülpser zu Fussballresultaten, alberne Witze und Autofelgen-Preisdebatten über sich ergehen lassen, werden von Kolleginnen aus gemischten Teams zu Recht mitleidig angesehen - ebenso wie Männer, die Kämpfe um Gratisproben aus Frauenzeitschriften, ständigen Büroklatsch und Mode-Diskussionen ertragen müssen. Aber das sind nur dumme Klischees, wie wir wissen...
Robert Prazak
r.prazak@wirtschaftsblatt.at


 

 

 

 

 

 

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