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Frauen und Männer denken anders und reden aneinander
vorbei - wie oft haben wir das gehört? Doch eben diese
Unterschiede können Unternehmer nutzen. "In gemischten
Teams lassen sich weibliche und männliche Kompetenzen
ideal ergänzen", sagt der Unternehmensberater und
Trainer Alfred Faustenhammer. So nähern sich Männer
jedem Problem von einer fachlich-technischen Seite. "Männerteams
tendieren zur Verbrüderung und einigen sich in diesem
Sinn recht schnell. Die naheliegendste Lösung ist aber
nicht immer die beste", sagt Faustenhammer. Sind genug
Frauen im Team, dann lässt sich ein solcher Schnellschuss
verhindern. "Frauen haben eine komplexere Wahrnehmung
als Männer. Sie hinterfragen mehr die Hintergründe
eines Problems, denken an Details und auch auf zwischenmenschliche
Aspekte", sagt Marion Bredebusch, Geschäftsführerin
des Instituts für Gender, Moderation und Kommunikation.
Rivalinnen unter sich
Reine Frauengruppen bringen auch Konflikte mit sich. Bredebusch:
"Frauen konkurrieren viel stärker miteinander. Es
geht dabei nicht nur um den Beruf, sondern auch um Privates
und das Aussehen." In Frauenteams kann es daher viel
härter zugehen. "Da man im Sinne der Frauensolidarität
Rivalität nicht offen zeigen darf, geht man zur indirekten
Aggression über - vernichtende Blicke, Gerüchte
und soziale Ausgrenzung", so Bredebusch.
Mixed Teams können Ausgleich schaffen, allerdings erst
bei einem Geschlechterverhältnis von 40 bis 60 Prozent.
Faustenhammer: "Alibi-Frauen und -Männer haben alledings
kaum eine Möglichkeit, sich durchzusetzen." Und
jeder Fehler der/des Einzelkämpferin/s wird doppelt wahrgenommen.
Gemischte Teams beiten die Chance, die Sprache der "Anderen"
zu erlernen. Männer pflegen den sachlichen Ton, Frauen
bauen in ihren Gesprächen Beziehung auf. Ein Wissen,
das sich im Kundenkontakt bezahlt macht. "Frauen entscheiden
über 80 Prozent des Privateinkommens. Es ist daher oft
besser, die Frau und nicht den Mann bei einem Verkaufsgespräch
ins Visier zu nehmen. Und eine kleine private Plauderei kann
dabei auch nicht schaden", sagt Bredebusch.
Einige Unternehmen setzen Gender Diversity bereits zu ihrem
Wettbewerbsvorteil ein. "Ich habe die Erfahrung gemacht,
dass gemischte Teams viel besser kommunikativ agieren können.
Probleme werden tiefer gehend diskutiert. Taucht ein Verständnisproblem
auf, wird es sofort in die männliche oder weibliche Sprache
übersetzt", sagt René Weihsinger, Koordinator
aller Veränderungsprozesse bei der Robert Bosch AG. In
einigen "Männerberufen" lässt die gewünschte
Teammischung noch auf sich warten. "Zurzeit liegt der
Frauenanteil in unserer technischen Entwicklungsabteilung
bei zehn Prozent. Wir suchen gezielt nach Mitarbeiterinnen
für diesen Bereich. Mit dem Töchtertag wollen wir
Mädchen für technische Berufe begeistern",
so Weihsinger.
KARIN MOSER
k.moser@wirtschaftsblatt.at
ÜBERLEBENSTIPPS FÜR FRAUEN (VON MARION BREDEBUSCH)
Wie überlebe ich als einzelne Frau in einem Männerteam?
- Sprechen Sie in klaren direkten Botschaften - nicht mit
indirekten Appellen arbeiten, die verstehen Männer
nämlich nicht. Also nicht in den Raum werfen "Meine
Mutter ist krank, ich müsste sie im Krankenhaus besuchen"
und erwarten, dass die Kollegen da heraushören: "Kannst
Du die Sitzung verlegen?"
- Nicht die eigene Weiblichkeit verleugnen. In dieser Minderheit
werden Sie sowieso als Frau und nicht als geschlechtsneutrales
Wesen wahrgenommen. Frauen haben genug Nachteile, also ruhig
die Vorteile nutzen und den Charme einsetzen - wenn es für
Sie selbst stimmig ist.
- Ihre Ideen gehen unter - doch einige Zeit später
wiederholt ein Kollege Ihren Vorschlag und alle greifen
ihn begeistert auf? Männer brauchen eben länger
um auf eine Lösung zu kommen. Mit diesem Wissen können
lächeln und denken: "Haben Sie es auch endlich
gemerkt?". Es kann sein, dass ein charmanter Hinweis
gut passt.
- Sachlich bleiben: Männer haben vor nichts mehr Angst
als vor emotionalen Frauen.
ÜBERLEBENSTIPPS FÜR MÄNNER (VON MARION
BREDEBUSCH)
Wie überlebe ich als einzelner Mann in einem Frauenteam?
- Wenn Ihnen nicht klar ist, was eine Frau Ihnen mit einer
Aussage sagen will, fragen Sie sie! Meistens will Sie einen
Appell loswerden und ist dann sauer, wenn Sie nicht reagieren.
- Wenn eine Kollegin über die andere lästert -
halten Sie sich da raus.
Es ist nichts schlimmer, als zwischen den Fronten konkurrierender
Frauen zu stehen. Selbst wenn Sie nur nicken oder "hmm"
sagen: Das wird als Zustimmung interpretiert. Formulieren
Sie klar, dass Sie damit nichts zu tun haben wollen.
- Sie werden der Hahn im Korb sein - genießen Sie
es! Sie werden verschiedene Frauen erleben, diejenigen,
die Sie mütterlich umsorgen, diejenigen, die Sie umwerben
und diejenigen, die Sie nicht mögen, weil sie ein Mann
sind. Lassen Sie es zu!
- Es muss sein: Seien Sie ein Frauenversteher! Damit Sie
nicht von den Frauengesprächen ausgeschlossen werden,
lassen Sie die Kolleginnen ruhig mit Ihren Problemchen zu
Ihnen kommen. Hören Sie verständnisvoll zu und
geben Sie bloß nicht ungefragt Ratschläge.
Kommentar
Die letzten Helden der Arbeit
Experten wissen es: Gemischte Teams sind ideal - also nicht
nur Frauen oder nur Männer in einer Mannschaft, sondern
von beidem etwas (siehe Artikel links). Nur kommt es in der
Praxis leider vor, dass frau oder man zwischen feindlichen
Objekten allein gelassen wird - etwas weil das Schlagwort
"Gender Diversity" für den Vorstand wie ein
PC-Programm klingt. Das Überleben als Einzelkämpfer/in
könnte zu den letzten Herausforderungen unserer Zivilisation
gehören: Frauen, die täglich Wortrülpser zu
Fussballresultaten, alberne Witze und Autofelgen-Preisdebatten
über sich ergehen lassen, werden von Kolleginnen aus
gemischten Teams zu Recht mitleidig angesehen - ebenso wie
Männer, die Kämpfe um Gratisproben aus Frauenzeitschriften,
ständigen Büroklatsch und Mode-Diskussionen ertragen
müssen. Aber das sind nur dumme Klischees, wie wir wissen...
Robert Prazak
r.prazak@wirtschaftsblatt.at
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