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Wirtschafts- und Informationsdienst für die Saar-Lor-Lux-Region / Service d’informations économiques pour la région Sarre-Lor-Lux, AKW-Arbeitskreis Wirtschaft e.V.(Hg.) Nr. 03/2004 31.03.2004, S.1

"Vom Entwicklungsland zum Wettbewerbsvorteil:
Frau und Wirtschaft"

Kommentar von Marion Bredebusch

Unter dem Motto "Frauen in der Wirtschaft - Vereinbarkeit von Karriere und Familie" führt der Arbeitskreis Wirtschaft e.V. am 27. April 2004 im Festsaal des Saarbrücker Schlosses mit der saarländischen Ministerin Dr. Regina Görner, der Unternehmerin Andrea Juchem sowie Politikerinnen aus den verschiedenen Parteien eine Podiumsdiskussion durch. Bei diesem Thema ist Deutschland auf dem Status eines Entwicklungslandes:
Im oberen Management großer Unternehmen liegt der Frauenanteil zwischen fünf und acht Prozent. Bei kleinen und mittleren Unternehmen sind es gerade mal nur 16 Prozent. In den USA sind dagegen 46 Prozent und in Kanada 42 Prozent der Führungspositionen in Frauenhand. Bei den Vorständen der größten Unternehmen liegt der Frauenanteil in Deutschland bei etwa einem Prozent. Mit Spanien und Italien bildet Deutschland das Schlusslicht.

So nehmen Frauen das lieber selbst in die Hand:
Der Anteil der Unternehmerinnen in Deutschland hat sich seit den 70er Jahren fast verdreifacht. Frauen stellen heute knapp 990.000 der über 3,6 Millionen Selbständigen in Deutschland. Das sind 27,4 Prozent. 1999 wurde in den neuen Bundesländern fast jede dritte geförderte Existenzgründung von einer Frau durchgeführt, in den alten knapp jede vierte.
Das ist jedoch kein Grund zum zurücklehnen, denn das Thema Frauen ist kein "weiches" Thema für die Wirtschaft, sondern entwickelt sich zu einem ganz "harten" Feld.

Dies wird angesichts der Folgen - aber auch der Ursachen - des demographischen Wandels besonders klar:

  1. Es wird prognostiziert, dass sich angesichts des zu erwartenden Arbeitskräftemangels die Wirtschaft in wenigen Jahren um die Frauen im Wettbewerb "reißen" wird. Warum warten?
  2. Junge Frauen sind heute hervorragend ausgebildet und wollen selbst in verantwortungsvoller Position am Erwerbsleben teilhaben. Sie wollen auch Familie, doch sie bekommen immer weniger Kinder. Deutschland belegt bei der Geburtenrate Rang 181 von 190 Ländern. Fast jede dritte Frau des Jahrgangs 1965 wird gar keine Kinder bekommen, Akademikerinnen bleiben sogar zu 40 Prozent kinderlos. Mit einer Betreuungsquote der unter dreijährigen von 5,5 Prozent Ende 2000 und weniger als 5 Prozent Ganztagsschulen in den alten Bundesländern steht Deutschland im europäischen Vergleich am unteren Ende. Die Erfahrung vor allem in den skandinavischen Ländern hat jedoch gezeigt, dass eine stärkere Erwerbsbeteiligung von Frauen mit einer höheren Geburtenrate einhergeht.
  3. Vorausschauende Unternehmen bieten - für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - Möglichkeiten an, berufliche und familiäre Pflichten miteinander zu vereinbaren. Zudem ist ein betriebswirtschaftlicher Nutzen frauen- und familienfreundlicher Maßnahmen auch für mittelständische Unternehmen belegt, wie die aktuelle Studie der Prognos AG zeigt: Die Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen ergab bei einem Aufwand für familienfreundliche Maßnahmen in Höhe von etwa 300.000 Euro eine Kosteneinsparung von 375.000 Euro und damit einen geldwerten Vorteil in Höhe von 75.000 Euro. Hier wird ein enormer Wettbewerbsvorteil nachweisbar. Denn Unter-nehmen, denen es gelingt, ihren Beschäftigten Bedingungen zu bieten, die sie längerfristig an das Unternehmen binden und ihre Leistungsbereitschaft fördern, profitieren dauerhaft.
  4. Es wächst die Erkenntnis, dass die Herstellung von Chancengleichheit für die Geschlechter unmittelbar mit Qualität zu tun hat. Die Botschaft lautet in Kürze: kein erfolgreiches Qualitätsmanagement ohne (Geschlechter-)Gerechtigkeit. Der ökonomische Nutzen liegt u.a. darin, dass die Potenziale aller Mitarbeitenden, Männer und Frauen, gezielt genutzt werden. Dies wird auch unter dem Stichwort Managing-Diversity vor allem von international operierenden Unternehmen bereits praktiziert. Diversity bedeutet Vielfalt, Vielfältigkeit, Verschiedenartigkeit und schließt alle Unterschiede ein, die konstruktiv von Individuen in das Arbeitsleben eingebracht werden. Diversity bezieht sich schließlich auch auf die soziale Kategorie Geschlecht, im englischen Gender. Dementsprechend unterstützen Unternehmen Arbeitsstrukturen für Frauen und Männer, in der die Unterschiede von Frauen und Männer Synergieeffekte bilden. Gerade ihre sozialen Kompetenzen, zeigen alle Untersuchungen, machen Frauen in Führungspositionen so wertvoll. Das Unternehmen gewinnt, wenn es erkennt: Mann und Frau im Team sind unschlagbar.
  5. Vielfalt im Unternehmen führt auch beim Ergebnis zu einer anderen Güte. Und zunehmend wird die Kaufkraft der Kundinnen erkannt. Frauen haben derzeit die Entscheidungsgewalt über ca. 70 Prozent des Privateinkommens. Frauen beeinflussen den Wettbewerb also auch hier.

Es zeigt sich, bereits jetzt ist die Einbeziehung von Frauen und ihre Förderung ein Wettbewerbsvorteil - wer ihn nutzt gewinnt - in allen Bereichen!

Marion Bredebusch
Institut für Gender, Moderation und Kommunikation, Saarbrücken

 

 

 

 

 

 

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