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Der Arbeitnehmer, Heft 7 - November 2008

Chefsessel auch für Frauen

Frauen können nicht führen, Männer nicht wickeln. Vorurteile wie diese sind immer noch in den Köpfen der Menschen verankert. Dass es anders geht, zeigt eine Ausstellung des Bundesfamilienministeriums, die in Saarbrücken zu Gast war.



Die Rollenbilder-Ausstellung machte Station in Saarbrücken und tourt zurzeit durch Deutschland. Unter rollenbilder.de ist sie ständig zu sehen. Foto: Oettinger

Ja, es gibt sie auch im 21. Jahrhundert noch, die vielfältigen Stereotypen, die Männern und Frauen, quasi automatisch, per Geschlecht, bestimmte Rollen zuweisen. Und so war der „interaktive“ Vortrag, den die Psychologin Marion Bredebusch, Leiterin des Saarbrücker Instituts für Kommunikation und Kompetenz, anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Rollenbilder“ hielt, nicht nur informativ, sondern auch ausgesprochen kurzweilig.

Vor allem zeigte er eines: Es ist nicht immer das Gleiche, wenn Männer und Frauen das Gleiche tun. Zum Beispiel „Hausmann“. Da wird es für viele sofort kritisch; das sind doch diese Typen, die keine Lust haben, sich im Beruf zu engagieren und lieber eine ruhige Kugel schieben wollen. Dann besser Hausfrau? Ja, das lässt man in der Gesellschaft eher „durchgehen“, schon wegen der Erziehung der Kinder; noch besser wäre es natürlich mit einer zusätzlichen Teilzeitstelle, um das Einkommen des Mannes aufzubessern. Am allerbesten dann noch in den nach wie vor typischen Frauenberufen, von denen seit Jahrzehnten stets die Verkäuferin, die Friseurin und die Erzieherin an erster Stelle genannt werden. So jedenfalls – ein bisschen überzeichnet – sind sie vielfach immer noch, die gängigen Vorstellungen und Rollenklischees.

Aber was ist, wenn Frauen sich dann doch mal für „frauenuntypische“ Berufe entscheiden, wenn sie in den technischen Bereich gehen, oder gar Ausnahmeberufe ergreifen, Pilotin werden? Dann kann es schnell ziemlich hart kommen. Dass sie oft als „Abweichlerin“ wahrgenommen werden, wäre zu vernachlässigen; wichtiger ist sicher die schlichte Tatsache, dass sie vielfach ein deutliches höheres Maß an Engagement und Leistung bringen müssen, und das kann schnell an die Substanz gehen. Und so war es kein Wunder, dass Hans-Hartwig Felsch, Leiter der Agentur für Arbeit in Saarbrücken, bedauernd feststellen musste: „Frauen werden immer noch auf zu wenige Berufsbilder reduziert, und sie sind vor allem in Führungspositionen immer noch unterrepräsentiert.“

Dass es auch anders geht, darüber berichtete Karin Riga. „Männer haben mich durch ihr Verhalten oft erst stark gemacht“, betonte die Geschäftsführerin des Ausbildungszentrums in Saarbrücken-Burbach. Frauen und Führungsrollen, das passt gut zusammen, meint Riga, die auch kein Problem damit hat, wenn Mitarbeiter in ihr auch mal „das Mütterliche“ suchen. Ihr Rat an die Geschlechtsgenossinnen: Nicht auf das Glück warten, mutig sein, die Chancen dann ergreifen, wenn sie sich bieten. Und sich dabei durchaus auch mal anschauen, wie es die Männer angehen.

Einen anderen Weg ist – bis vor kurzem – Peter Jacob gegangen. Er hat sich ein Jahr „Auszeit“ genommen und ist in die neu eingerichtete Elternzeit gegangen, um sich der Betreuung von „Neuankömmling“ Clara und Sohn Nils zu widmen. Dabei zeigte sich der Referatsleiter in der AK-Öffentlichkeitsarbeit dankbar für die Ermunterung und das Verständnis durch Kollegen und Vorgesetzte. „Das war sicher nicht selbstverständlich“, freute sich der 43-Jährige. Auch das neue Elterngeld und die Möglichkeit, nahtlos in den Beruf zurückkehren zu können, habe ihm die Entscheidung leichter gemacht. Sein persönliches Fazit, das auch eine Empfehlung für andere Männer ist: „Ich habe jetzt sicher ein engeres Verhältnis zu meinen Kindern, als es sonst vielleicht möglich gewesen wäre.“

Vollkommen anders liegen die Probleme bei Sabrina Krück. Vor zweieinhalb Jahren wurde die damals 18-Jährige schwanger, und damit war ihr Leben vollkommen auf den Kopf gestellt. Nachdem Töchterchen Mia-Jolie mittlerweile aus dem gröbsten raus ist, möchte sie ihre beruflichen Pläne wieder aufnehmen und ist auf der Suche nach einer Teilzeit-Ausbildungsstelle. Dabei handelt es sich um ein neues, flexibles Modell für junge Mütter und Väter, das von den Arbeitsagenturen und Kammern unterstützt wird; es soll eine vollwertige Ausbildung in der Regelzeit von drei Jahren garantieren. „Leider ist diese Möglichkeit noch nicht hinreichend bekannt und man stößt vielfach auf Unverständnis“, klagt sie.

Besser hat es da Volker Stopp; als männlicher Erzieher in einem Kindergarten ist er in seinem Beruf immer noch eine Ausnahme. Er berichtet von durchweg guten Erfahrungen: „Alle ziehen an einem Strang.“ Viel Ermunterung gebe es auch durch die jeweiligen Eltern. „Warum auch nicht? Auch zu Hause gibt es schließlich Mama und Papa, warum sollte das in einem Kindergarten anders sein?“, sagt der Erzieher, und damit hat er sicher recht.

Die interaktive Ausstellung gibt es auch im Internet unter www.rollenbilder.de.

Jürgen Matheis

Quelle: Der Arbeitnehmer - Heft 7 - November 2008


 

 

 

 

 

 

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