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Die Rollenbilder-Ausstellung machte Station in Saarbrücken und tourt zurzeit
durch Deutschland. Unter rollenbilder.de ist sie ständig zu sehen. Foto: Oettinger
Ja, es gibt sie auch im 21. Jahrhundert noch, die vielfältigen Stereotypen, die Männern und Frauen,
quasi automatisch, per Geschlecht, bestimmte Rollen zuweisen. Und so war der „interaktive“ Vortrag, den
die Psychologin Marion Bredebusch, Leiterin des Saarbrücker Instituts für Kommunikation und Kompetenz,
anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Rollenbilder“ hielt, nicht nur informativ, sondern auch
ausgesprochen kurzweilig.
Vor allem zeigte er eines: Es ist nicht immer das Gleiche, wenn Männer und Frauen das Gleiche tun. Zum
Beispiel „Hausmann“. Da wird es für viele sofort kritisch; das sind doch diese Typen, die keine Lust haben,
sich im Beruf zu engagieren und lieber eine ruhige Kugel schieben wollen. Dann besser Hausfrau? Ja, das
lässt man in der Gesellschaft eher „durchgehen“, schon wegen der Erziehung der Kinder; noch besser wäre es
natürlich mit einer zusätzlichen Teilzeitstelle, um das Einkommen des Mannes aufzubessern. Am allerbesten
dann noch in den nach wie vor typischen Frauenberufen, von denen seit Jahrzehnten stets die Verkäuferin,
die Friseurin und die Erzieherin an erster Stelle genannt werden. So jedenfalls – ein bisschen überzeichnet –
sind sie vielfach immer noch, die gängigen Vorstellungen und Rollenklischees.
Aber was ist, wenn Frauen sich dann doch mal für „frauenuntypische“ Berufe entscheiden, wenn sie in den
technischen Bereich gehen, oder gar Ausnahmeberufe ergreifen, Pilotin werden? Dann kann es schnell ziemlich
hart kommen. Dass sie oft als „Abweichlerin“ wahrgenommen werden, wäre zu vernachlässigen; wichtiger ist
sicher die schlichte Tatsache, dass sie vielfach ein deutliches höheres Maß an Engagement und Leistung
bringen müssen, und das kann schnell an die Substanz gehen. Und so war es kein Wunder, dass Hans-Hartwig
Felsch, Leiter der Agentur für Arbeit in Saarbrücken, bedauernd feststellen musste: „Frauen werden immer
noch auf zu wenige Berufsbilder reduziert, und sie sind vor allem in Führungspositionen immer noch
unterrepräsentiert.“
Dass es auch anders geht, darüber berichtete Karin Riga. „Männer haben mich durch ihr Verhalten oft erst
stark gemacht“, betonte die Geschäftsführerin des Ausbildungszentrums in Saarbrücken-Burbach. Frauen und
Führungsrollen, das passt gut zusammen, meint Riga, die auch kein Problem damit hat, wenn Mitarbeiter in
ihr auch mal „das Mütterliche“ suchen. Ihr Rat an die Geschlechtsgenossinnen: Nicht auf das Glück warten,
mutig sein, die Chancen dann ergreifen, wenn sie sich bieten. Und sich dabei durchaus auch mal anschauen,
wie es die Männer angehen.
Einen anderen Weg ist – bis vor kurzem – Peter Jacob gegangen. Er hat sich ein Jahr „Auszeit“ genommen
und ist in die neu eingerichtete Elternzeit gegangen, um sich der Betreuung von „Neuankömmling“ Clara und
Sohn Nils zu widmen. Dabei zeigte sich der Referatsleiter in der AK-Öffentlichkeitsarbeit dankbar für die
Ermunterung und das Verständnis durch Kollegen und Vorgesetzte. „Das war sicher nicht selbstverständlich“,
freute sich der 43-Jährige. Auch das neue Elterngeld und die Möglichkeit, nahtlos in den Beruf zurückkehren
zu können, habe ihm die Entscheidung leichter gemacht. Sein persönliches Fazit, das auch eine Empfehlung
für andere Männer ist: „Ich habe jetzt sicher ein engeres Verhältnis zu meinen Kindern, als es sonst
vielleicht möglich gewesen wäre.“
Vollkommen anders liegen die Probleme bei Sabrina Krück. Vor zweieinhalb Jahren wurde die damals
18-Jährige schwanger, und damit war ihr Leben vollkommen auf den Kopf gestellt. Nachdem Töchterchen
Mia-Jolie mittlerweile aus dem gröbsten raus ist, möchte sie ihre beruflichen Pläne wieder aufnehmen und
ist auf der Suche nach einer Teilzeit-Ausbildungsstelle. Dabei handelt es sich um ein neues, flexibles
Modell für junge Mütter und Väter, das von den Arbeitsagenturen und Kammern unterstützt wird; es soll
eine vollwertige Ausbildung in der Regelzeit von drei Jahren garantieren. „Leider ist diese Möglichkeit
noch nicht hinreichend bekannt und man stößt vielfach auf Unverständnis“, klagt sie.
Besser hat es da Volker Stopp; als männlicher Erzieher in einem Kindergarten ist er in seinem Beruf immer
noch eine Ausnahme. Er berichtet von durchweg guten Erfahrungen: „Alle ziehen an einem Strang.“ Viel
Ermunterung gebe es auch durch die jeweiligen Eltern. „Warum auch nicht? Auch zu Hause gibt es schließlich
Mama und Papa, warum sollte das in einem Kindergarten anders sein?“, sagt der Erzieher, und damit hat er
sicher recht.
Die interaktive Ausstellung gibt es auch im Internet
unter www.rollenbilder.de.
Jürgen Matheis
Quelle: Der Arbeitnehmer - Heft 7 - November 2008
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