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Ein
Modellversuch mit ausgewiesenen Experten auf der Suche nach
einer gemeinsamen Lösung
(red.) Die Diskussion, um die hohe Belastung von Arbeitnehmern
und Arbeitgebern durch die Sozialabgaben begleitet uns schon
seit Jahren. Nach Vorbild der Hartz-Kommission wurde schließlich
ein Experten-Team eingesetzt, das in ähnlicher Art und
Weise ein Konzept für eine Gesundheitsreform erarbeiten
sollte. Dabei konnte - im Gegensatz zu Hartz - kein konsensualer
Beschluss gelingen. Stattdessen gab es ein y-Modell, mit einem
Stamm an gemeinsam getragenen, kurzfristigen Veränderungen,
die eine Absenkung um 1,4 % ab dem kommenden Januar zur Folge
haben sollen.
Auf Anregung des bekannten Gesundheitsexperten und stellvertretenden
Vorsitzenden der SPD-Landtagfraktion, Armin Lang, hatten sich
am 23. Mai saarländische Experten zusammengesetzt, um
nach dem moderierten Modell der Zukunftswerkstatt vielleicht
einen saarländischen Konsens zu erarbeiten. Im Vorfeld
stand zunächst einmal die Frage, ob ein solches Treffen
überhaupt zu Stande kommen könnte, schließlich
steckte in dem Versuch einige Brisanz - auch parteipolitisch
gesehen. Das Ergebnis jedoch brachte einen repräsentativen
Schnitt durch das Gesundheitswesen: Krankenhäuser, Ärzteverbände,
Gewerkschafter, Vertreter einiger Krankenkassen, Arbeitgeberverband,
Apothekerverband, Medizinische Dienste, Unternehmer aus dem
Medizinwesen und ein Vertreter der Handwerkskammer des Saarlandes
hatten die Einladung angenommen. Auch Rainer Kuhn, Gastgeber
der Runde und Vorsitzender des Arbeitskreises Wirtschaft nahm
an den Gesprächen Teil, die von den erfahrenen Moderatorinnen
Marion Bredebusch und Birgit Roßmanith geleitet wurden.
Das Modell der Zukunftswerkstatt ist in drei Phasen gegliedert:
Kritikphase (Herausarbeitung der "Knackpunkte" der
Gesundheitsreform in zwei Gruppen), Phantasiephase (Wie sieht
das optimale Gesundheitssystem aus?) und Umsetzungsphase (Welche
Handlungsoptionen, Pläne, gemeinsamen Vorstellungen sollen
und können verwirklicht werden?). Die Methode der Zukunftswerkstatt
legt den Fokus auf die Zukunft, nicht auf die behandelten
Probleme, es sollen Gemeinsamkeiten gefunden werden, statt
Konflikte zu bearbeiten. Unterschiede und Konflikte sollen
anerkannt, aber nicht bearbeitet werden. Alle Beiträge
und Ideen werden als wertvoll und gleich wichtig eingestuft.
Jede und jeder Teilnehmer/in soll jedem und jeder zu hören,
wobei alle auf den zeitlichen Rahmen achten sollen. Alles
wird visualisiert, das heißt auf Flipcharts und Pinwände
geschrieben.
Das Modell funktionierte: Nach anfänglicher Zurückhaltung
entstanden interessante Beiträge von allen Teilnehmern.
In vielen Punkten wurde tatsächlich ein Konsens festgestellt:
die flächendeckende Sicherung der Versorgung muss gewährleistet
sein, die Krankheitsursachen müssen reduziert werden,
eine gesetzliche medizinische Grundversorgung wurde nicht
in Frage gestellt. Knackpunkt der Veranstaltung war die Finanzierung
des zukünftigen Gesundheitssystems. Hier war eine Einigung
insofern denkbar, als Konsens darüber herrscht, dass
zur Grundversorgung auch die bisher nicht Beteiligten (Z.B.
Unternehmer, Rentner und Beamte) einbezogen werden müssten.
Eine gemeinschaftliche Festlegung auf ein Finanzierungssystem
konnte jedoch nicht erzielt werden. Hierzu hätten viele
Seiten von Richtlinien ihrer Verbände abweichen müssen
- ein Konsens ist somit nicht machbar. Aber ein Kompromiss?
Daran soll in einer weiteren Runde, zu der der Arbeitgeberverband
einladen wird, gearbeitet werden.
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