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Saarland.BIZ Juni 2003 S. 2

"Konsensrunde zur Gesundheitsreform in St. Wendel"

Ein Modellversuch mit ausgewiesenen Experten auf der Suche nach einer gemeinsamen Lösung

(red.) Die Diskussion, um die hohe Belastung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern durch die Sozialabgaben begleitet uns schon seit Jahren. Nach Vorbild der Hartz-Kommission wurde schließlich ein Experten-Team eingesetzt, das in ähnlicher Art und Weise ein Konzept für eine Gesundheitsreform erarbeiten sollte. Dabei konnte - im Gegensatz zu Hartz - kein konsensualer Beschluss gelingen. Stattdessen gab es ein y-Modell, mit einem Stamm an gemeinsam getragenen, kurzfristigen Veränderungen, die eine Absenkung um 1,4 % ab dem kommenden Januar zur Folge haben sollen.

Auf Anregung des bekannten Gesundheitsexperten und stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Landtagfraktion, Armin Lang, hatten sich am 23. Mai saarländische Experten zusammengesetzt, um nach dem moderierten Modell der Zukunftswerkstatt vielleicht einen saarländischen Konsens zu erarbeiten. Im Vorfeld stand zunächst einmal die Frage, ob ein solches Treffen überhaupt zu Stande kommen könnte, schließlich steckte in dem Versuch einige Brisanz - auch parteipolitisch gesehen. Das Ergebnis jedoch brachte einen repräsentativen Schnitt durch das Gesundheitswesen: Krankenhäuser, Ärzteverbände, Gewerkschafter, Vertreter einiger Krankenkassen, Arbeitgeberverband, Apothekerverband, Medizinische Dienste, Unternehmer aus dem Medizinwesen und ein Vertreter der Handwerkskammer des Saarlandes hatten die Einladung angenommen. Auch Rainer Kuhn, Gastgeber der Runde und Vorsitzender des Arbeitskreises Wirtschaft nahm an den Gesprächen Teil, die von den erfahrenen Moderatorinnen Marion Bredebusch und Birgit Roßmanith geleitet wurden.

Das Modell der Zukunftswerkstatt ist in drei Phasen gegliedert: Kritikphase (Herausarbeitung der "Knackpunkte" der Gesundheitsreform in zwei Gruppen), Phantasiephase (Wie sieht das optimale Gesundheitssystem aus?) und Umsetzungsphase (Welche Handlungsoptionen, Pläne, gemeinsamen Vorstellungen sollen und können verwirklicht werden?). Die Methode der Zukunftswerkstatt legt den Fokus auf die Zukunft, nicht auf die behandelten Probleme, es sollen Gemeinsamkeiten gefunden werden, statt Konflikte zu bearbeiten. Unterschiede und Konflikte sollen anerkannt, aber nicht bearbeitet werden. Alle Beiträge und Ideen werden als wertvoll und gleich wichtig eingestuft. Jede und jeder Teilnehmer/in soll jedem und jeder zu hören, wobei alle auf den zeitlichen Rahmen achten sollen. Alles wird visualisiert, das heißt auf Flipcharts und Pinwände geschrieben.

Das Modell funktionierte: Nach anfänglicher Zurückhaltung entstanden interessante Beiträge von allen Teilnehmern. In vielen Punkten wurde tatsächlich ein Konsens festgestellt: die flächendeckende Sicherung der Versorgung muss gewährleistet sein, die Krankheitsursachen müssen reduziert werden, eine gesetzliche medizinische Grundversorgung wurde nicht in Frage gestellt. Knackpunkt der Veranstaltung war die Finanzierung des zukünftigen Gesundheitssystems. Hier war eine Einigung insofern denkbar, als Konsens darüber herrscht, dass zur Grundversorgung auch die bisher nicht Beteiligten (Z.B. Unternehmer, Rentner und Beamte) einbezogen werden müssten. Eine gemeinschaftliche Festlegung auf ein Finanzierungssystem konnte jedoch nicht erzielt werden. Hierzu hätten viele Seiten von Richtlinien ihrer Verbände abweichen müssen - ein Konsens ist somit nicht machbar. Aber ein Kompromiss? Daran soll in einer weiteren Runde, zu der der Arbeitgeberverband einladen wird, gearbeitet werden.

 

 

 

 

 

 

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