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echt-online, 01.08.2004

"Spielen mit dem Augenblick"

Flirrend, verwirrend, schillernd: Schon das Wort Flirten hat einen betörenden Klang. Doch die Kunst der leichtfüßigen Annäherung fällt vielen schwer. Auf der Suche nach der richtigen Haltung helfen zwei Flirtlehrer, Werner Szeimis und Marion Bredebuschvom Institut-gmk, und drei Praxisberichte.

- Von Andrea Teupke-

Wenn Gregor eine Frau sieht, die ihm gefällt, starrt er sie unverwandt an – so lange, bis sie seinen Blick erwidert. Dann muss er lachen und wendet schnell den Kopf ab. Gregor ist neun Monate alt; in dem Alter ist Flirten ein Kinderspiel, sozusagen. Doch die Leichtigkeit verliert sich. Spätestens in der Pubertät, wenn aus strahlenden Kindern picklige Jugendliche geworden sind, scheint nichts schwieriger als dies: einen Menschen des anderen Geschlechts auf sich aufmerksam zu machen. Und genau darum geht es beim Flirten, folgt man dem Lexikon.

Wie jedes Spiel gelingt auch Betören und Betören-Lassen umso besser, je weniger die Spieler sich um ihre Wirkung sorgen. Eine schwere Übung für Jugendliche. Sie – und nicht sie allein – plagen Hemmungen und Selbstzweifel: „Wie muss ich aussehen, damit
ich ankomme?“ „Was soll ich sagen?“ „Mögen Jungen nur Mädchen mit großen Brüsten?“ – „Warum wollen Mädchen immer Jungen, die witzig sind?“. Werner Szeimis, der für Pro Familia in Frankfurt Flirtkurse anbietet, beobachtet große Unsicherheit.
Viele Jugendliche sind überrascht und erleichtert, wenn sie im Kurs erfahren: Ich wirke gar nicht so komisch, wie ich mich fühle. Ich komme viel besser an, als ich immer denke.

Vielleicht ist das Geheimnis des Flirtens dies: Es gibt kein Geheimnis. Kein Trick kann mangelnden Mut, kein Outfit fehlende Offenheit ersetzen. Werner Szeimis jedenfalls vermittelt keine Patentrezepte. Er macht Jugendlichen Mut, auf ihre eigenen Gefühle zu achten: „Gut flirten kann jemand, der bei sich ist, der ist auch für andere interessant.“ Sei spontan und sei du selbst, dann läuft es. Leicht gesagt, schwer getan – auch für Erwachsene. Warum sonst könnten Frauenzeitschriften immer wieder dieselben Ratschläge aufkochen, Männermagazine Anleitungen zum „Hasen-Jagen“ verfassen? Die Kommunikationstrainerin Marion Bredebusch aus Saarbrücken hat in ihren Flirtkursen für Erwachsene festgestellt: „Die meisten haben keinen Erfolg, weil sie zu verkrampft sind.“ Auch sie rät: Sei du selbst! Erzwingen lässt sich nichts. Denn Flirten ist eine Kunst, die nicht von Können kommt: Leicht und fast absichtslos, selbstvergessen und hingegeben an den Augenblick – so kann der Zauber sich entfalten. Wenn beide wollen: Gucken. Lachen. Weggucken. Guckt er?

mehr unter http://www.echt-online.de/aktuell/augenblick.htm

 

 

 

 

 

 

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