|
Wenn sich dabei alte Freunde plötzlich bis aufs Messer bekämpfen, ist
es schon schlimm genug - doch manchmal sind sogar Geschwister die größten
Rivalen. Während es bei Männern oft um einen äußeren Vergleich geht, wird
Frauen untereinander ein eher subtiles Rivalitätsverhalten nachgesagt.
Manchmal werden aus Rivalen sogar Freunde, doch meist ist jede Versöhnung
ausgeschlossen. Ist echte Rivalität nur negativ zu sehen? Oder ist es auch
ein Motor, der einen voran bringen kann? Wie kann man lernen, mit Rivalität
im Leben umzugehen?
Die Gäste:
Ute Vogt
Die Politik ist ein Haifischbecken, in der Rivalitäten zur Tagesordnung
gehören - auch innerparteilich. Doch nur selten treten die Rivalen so offen
gegeneinander an, wie im Jahr 2000 in Baden-Württemberg:
Damals wählte die
SPD-Parteibasis in einer Urwahl ihren Spitzenkandidaten für die anstehende
Landtagswahl. Zwei Kandidaten stellten sich zur Wahl: Die Landesvorsitzende
Ute Vogt und der Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Siegmar Mosdorf.
Siegmar Mosdorf
Auf vier Regionalkonferenzen stellten sie sich in Eintracht den SPD-Mitgliedern
vor, behakten sich allerdings abseits der Rednerpulte. Während Siegmar Mosdorf
seine Konkurrentin lapidar als "interessante Nachwuchspolitikerin" bezeichnete,
bot Ute Vogt ihm vorneweg das Wirtschaftsministerium unter ihrer Herrschaft
als Ministerpräsidentin an.
Marion Bredebusch
 Wie fies Frauen sein können, wenn sie miteinander konkurrieren, hat Marion
Bredebusch beim Kampf um einen ganz normalen Arbeitsplatz erlebt. Die Referentin
einer Frauenbeauftragten fiel aus allen Wolken, als sie plötzlich bemerkte,
dass ihre eigene Chefin gegen sie rivalisierte.
Die Vorgesetzte begann, Marion Bredebusch aus ihren Aufgaben zu drängen und
systematisch zu mobben: "Sie hat versucht, mir das Leben zur Hölle zu machen -
auch mit falschen Aussagen."
Thomas Born
Archaisch männliche Rivalität sieht anders aus: Thomas Born, einstmals bekannt
als "Karate-Thommy", beherrschte als einer der führenden Köpfe einer der größten
Banden in Deutschland über ein Jahrzehnt das Hamburger Rotlichtmilieu.
Neben seiner Tätigkeit als Bordellbetreiber, war er in der Branche der Mann fürs
Grobe: "Ich war zuständig für den Bereich Stress." Rivalität wurde auf dem Kiez
mit Fäusten ausgetragen.
Da hatte er als ehemaliger Karate-Europameister gute Karten - bis er 1982 in eine
Schießerei geriet, in der zwei seiner Kumpels starben.
Bettina von Kleist
Bettina von Kleist war 24 Jahre verheiratet, als sie durch einen Zufall entdeckte,
dass ihr Mann sie mit einem männlichen Nebenbuhler hinterging. Für sie brach eine
Welt zusammen.
"Ich konnte mit der Situation nicht umgehen, dass mein Rivale ein Mann war. Es ist
ja aberwitzig: Wir waren sehr lange verheiratet und immer wurde ja auch mein Körper
geliebt. Und plötzlich soll das der falsche Körper sein?"
Bettina von Kleist kämpfte um ihren Mann, trennte sich aber dann doch von ihm,
als sie einsah, dass sie den Kampf gegen diesen Rivalen verlieren würde.
Prof. Dr. Wolfgang Hantel-Quitmann
"Alle rivalisieren beständig, von der Kindheit bis zum Grabe", das ist für Prof.
Dr. Wolfgang Hantel-Quitmann eine Binsenweisheit.
Und dennoch stellt der Professor für Klinische Psychologie und Familienpsychologie
an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg fest: "Rivalität scheint
kein Thema zu sein.
Sie wird in der Psychologie genauso tot geschwiegen wie in der Öffentlichkeit.
Dabei geht Rivalität doch jeden etwas an."
An der Bar:
Sebastian Schulte
Die jahrhundertealte Rivalität der englischen Eliteuniversitäten Cambridge und
Oxford findet ihren stärksten Ausdruck in einer alljährlichen Bootsregatta: dem
traditionellen Boat Race auf der Themse.
Der deutsche Weltklasseruderer Sebastian Schulte staunte nicht schlecht, als er
2005 zum ersten Mal im Achter für Cambridge startete: "Die Rivalität zwischen
Cambridge und Oxford ist einzigartig. Am Anfang fand ich sie lächerlich und
befremdlich, mittlerweile bin ich aber in das System reingewachsen."
Die Konzentration auf den einen Gegner beflügelte auch Sebastian Schulte: 2007
siegte er mit dem Cambridge-Achter über den Erzrivalen.
Sendetermin:
09.11.2007, 22.00 Uhr, Nachtcafé, SWR Fernsehen
|