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? Frau Bredebusch, sind „nicht flirten zu können“ und „schüchtern zu sein“ zwei verschiedene Dinge?
Marion Bredebusch: Ja klar. Man kann trotz Schüchternheit flirten können. Bei meinen Seminaren geht es darum, überhaupt mit Menschen in Kontakt zu kommen, was man ja auch im beruflichen Bereich anwenden kann. Schüchternen Menschen rate ich, dass sie erstmal versuchen in Kontakt zu kommen unabhängig davon, ob sie am anderen Geschlecht Interesse haben oder nicht. Dass sie lernen, normale Situationen zu nutzen um überhaupt Konversation zu führen. Mal über die eigenen Grenzen hinweg zu gehen.
? Wie sähe das aus, diese Selbstüberwindung?
Marion Bredebusch: Eigentlich hilft es den meisten zu wissen wie. Sie brauchen ein Rezept. Das wäre in diesem Fall „an Gemeinsamkeiten ansetzen“. Beispielsweise hat jemand eine Schokolade im Einkaufswagen. Da kann man sagen: „Oh, die Schokolade esse ich auch gerne.“ Oder wenn jemand einen Roman im Café liest: „Oh, Sie lesen auch gerne Krimis.“ Ganz banal! Der Schüchterne denkt oft, er müsse besonders toll oder originell sein, aber das stimmt ja nicht. Es reicht, über das Wetter zu reden, im Café zu fragen, ob der Platz frei ist oder um Feuer zu bitten.
? Wie würden Sie denn gerne angesprochen werden?
Marion Bredebusch: Ähm... (überlegt)... gute Frage! Mit Komplimenten. Komplimente finde ich überhaupt das Charmanteste. Aber die vom Herzen kommen, eben nicht mit auswendig gelernten Sachen.
? Es gibt ja auch so dumme Sprüche wie „da oben im Himmel muss ein Engel fehlen“ und so was.
Marion Bredebusch: Ich lasse die gesamten Sprüche in meinen Seminaren immer durchlaufen. Ein Teil der Teilnehmer findet sie super, weil die manchmal ganz romantisch sind. Da fahren auch manche drauf ab. Aber die Hälfte findet die Sprüche schrecklich, das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass es nach hinten losgeht mit so einem Spruch ist relativ groß. Und die Angst davor ist bei Schüchternen einfach größer als bei anderen. Schüchterne lasse ich immer überlegen, was ihnen schlimmstenfalls passieren kann. Die kriegen ja keine Ohrfeige oder so.
? Aber einen richtigen Korb verpasst zu bekommen ist ja auch nicht schön...
Marion Bredebusch: Aber die Wahrscheinlichkeit ist nicht so hoch, wenn ich jemanden mit einem netten Kompliment anspreche. Zum Beispiel: ich habe dich schon die ganze Zeit beobachtet: hat dir schon mal jemand gesagt, wie sympathisch und nett du aussiehst? Ich würde da nie einen Korb geben und mich zumindest mit demjenigen unterhalten. Auch wenn ich von dem nichts weiter will.
? Es gibt natürlich auch Frauen, die anders reagieren würden, ...
Marion Bredebusch: Deswegen ist es wichtig, dass ich vorher auf die Körpersprache achte. Ich darf jemanden nicht einfach von hinten ansprechen, auch wenn es einen Flirtratgeber gibt, der so etwas empfiehlt. Nein, man muss vorher erst mal schauen, hatten wir schon Blickkontakt, haben wir uns schon mal angelächelt? Sonst würde ich es gar nicht versuchen.
? Was können Sie dem schüchternen Mann raten, der in der Disco eine schöne Frau erblickt hat und innerlich verkrampft, weil er ja auch massive Angst davor hat, sie anzusprechen?
Marion Bredebusch: Er sollte sich einfach sagen, dass er gar nicht verlieren kann. Er kann nur verlieren, wenn er sie nicht anspricht.
Interview: Sebastian Dingler
Komplettes Interview: aguirre.dauerschreiber.com
Flirt-Seminare mit Bredebusch: www.institut-gmk.de
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