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(Foto: J. Nord). „…und du hast ein super süßes Lächeln!“ sagt Maria* (29)
zu mir. Dabei blickt sie direkt in meine Augen. Und plötzlich sind da
tausend Schmetterlinge in meinem Bauch!
Das war ein tolles Kompliment von einer wundervollen Frau. Maria
lächelt und überreicht mir eine rote Rose. Bevor ich mehr als ein verdattertes
„Danke“ rausbekomme, dreht sie sich um und verschwindet wieder. Zurück zur
Gruppe. Denn das Seminar geht weiter. Seminar? Ja – Ich nehme an Marion
Bredebuschs „Flirtseminar“ teil. Und lerne mehr über das Wie, Wo und Warum
des Flirtens. Wusstet ihr zum Beispiel, dass man’s vom englischen „to flirt“
ableiten kann – was so viel wie „hin- und hertanzen“ beziehungsweise „flattern“
heißt?! Manche behaupten auch, Flirt entstamme dem französischen „fleureter“
– was „den Hof machen“ heißt. Nun, wie auch immer:
Mit Flirten wird das Anbandeln, die spielerische Kontaktaufnahme zweier
Menschen umschrieben. Ganz wichtig: Flirten bedeutet nicht baggern oder
aufreißen! Es ist viel liebevoller. Viel intensiver. Und rätselhafter.
Zumindest für mich war das bisher `ne große Unbekannte. Denn ich wusste
nie genau: Wie flirte ich richtig?! Den anderen neun Teilnehmern des Kurses
ging’s übrigens ähnlich. Da ist zum Beispiel Martin* (33), der „es einfach
nicht merkt, ob eine Frau einfach nur nett ist oder ein bisschen mehr!“
Auch Walter (38) hat dieses Problem kennen gelernt. Marion bringt da
nun Licht ins Dunkle: „Es ist unheimlich wichtig, wie man von anderen
wahrgenommen wird!“
Über 80 Prozent der Reize finden auf der Gefühlsebene statt – also über
Aussehen, Körpersprache und Stimme. Nur 20 Prozent passieren auf der Sachebene.
Dabei entscheidet der erste Eindruck - innerhalb von höchstens zehn Sekunden
entsteht ein Bild vom Gegenüber. Und das bestimmt dann jedes weitere Verhalten.
Die Körpersprache also! Direkt zu Anfang des Kurses machen wir eine Übung dazu.
Sie heißt „Mein erster Eindruck von dir!“ Mann analysiert Frau. Und umgekehrt.
Echt nicht einfach und ein paar Mal lag ich richtig weit daneben. Aber es hat
Spaß gemacht und Marion gibt anschließend ein paar Tipps: Arme nicht
verschränken, mit Blicken spielen, nett lächeln und schließlich den nächsten
Schritt wagen! Das Ansprechen. Wenn möglich nicht nach dem Motto „Glauben
Sie an die Liebe auf den ersten Blick oder muss ich noch mal vorbei gehen?!“
beziehungsweise „Wenn Sie es noch nicht geben würde, dann müsste man Sie
glatt erfinden!“ So was zieht fast nie. Marion rät: „Versuche, ein lockeres,
kurzes Gespräch zu beginnen! Zerbrich dir aber bloß nicht eine halbe Stunde
lang über den ersten Satz den Kopf. Denn dann ist der Zauber des Augenblicks
verflogen und der Erfolg wahrscheinlich auch. Sprich über etwas, das die
Situation mit sich bringt, je nachdem, wo ihr euch gerade befindet. Aber rede
nicht zu viel!“ Klingt eigentlich ziemlich einfach. Warum wollte mir das bisher
nie gelingen?! Eine weitere Übung, ein Rollenspiel bringt die Antwort: Weil
es meistens am nötigen Selbstbewusstsein mangelt!
„Zum Flirten gehören Körbe einfach dazu! Das darf aber nicht abschrecken!
Wenn so was passiert, sagt euch einfach: Beim nächsten Mal klappt’s ganz
bestimmt. Und dann bleibt locker!“ Auch das üben wir in der Gruppe – und
am Ende dieses interessanten Tages wollen alle nur noch eines: Flirten!
Ich natürlich auch. Am liebsten mit den Schmetterlingen im Bauch und Maria
an meiner Seite.
Natürlich wird’s demnächst wieder ein Flirtseminar mit Marion Bredebusch
geben. Die Diplompädagogin hat bereits mehr als 14 Jahre Erfahrung auf
diesem Gebiet. Sie leitet ein Institut für Gender, Moderation und Kommunikation.
Mehr Infos unter http://www.institut-gmk.de
Im Interview gibt sie noch ein paar konkrete Tipps …
Wie flirtet man „richtig“?
„Vor allem, indem ich echt bleibe. Also mich nicht verstelle und nicht
versuche, mich anders darzustellen als ich wirklich bin, z.B. durch auswendig
gelernte Sprüche. Wichtig ist, dass ich die körpersprachlichen Signale richtig
deute und auch erst dann mein Gegenüber anspreche, wenn Blickkontakt und
Lächeln da gewesen sind. Wer jemanden ansprechen möchte, sollte die Situation
auch wirklich nutzen und nicht die Zeit so lange verstreichen lassen, bis die
andere Person geht. Schüchterne Menschen wirken oft sehr sympathisch und sollten
nicht den perfekten Spruch suchen, den gibt es nicht. Wenn ich rauche, kann ich
z.B. einfach nach Feuer fragen oder auch einfach ob der Platz dort noch frei
ist. Beim Einkaufen kann ich einen Blick in den Einkaufswagen werfen und an der
Kasse das Gespräch über Gemeinsamkeiten anfangen. Und wenn ich einfach nur über
das beliebte Thema Wetter rede, alles ist besser als die Situation ungenutzt
verstreichen zu lassen. Generell gilt, wer mit sich selbst zufrieden ist,
strahlt dies auch aus und hat bessere Chancen. Grundlage fürs Flirten ist
also, an sich selbst zu arbeiten.“
Was geht gar nicht?
„Für viele ist Flirten ein Spiel und sie meinen es mit ihrem Gegenüber
nicht ernst. Wenn es dabei bleibt, o.k. Es gibt jedoch mittlerweile eine
richtige Flirt-Community, in der es den Männern nur darum geht, möglichst
viele Telefonnummern zu erhalten und im zweiten Schritt möglichst viele sexuelle
Kontakte. Eigentlich ganz arme Kerle, denn sie ziehen ihre Selbstbestätigung
nur daraus. Ich kann nur sagen, für wen Flirten ein Spiel ist, der sollte
immer mit offenen Karten spielen, denn ein Spiel mit Gefühlen kann böse Wunden
hinterlassen. Meine Antwort auf die Frage, was gar nicht geht lautet daher kurz
gefasst: Unehrlichkeit.“
* Die Namen der Teilnehmer wurden von der Redaktion geändert.
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