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Saarelle Journal Juni 2004

Gesprächsrunde "Frauen im Islam"
Foto Veranstalter


Die erste Veranstaltung des BPW Club's Saarbrücken, dem Verband berufstätiger Frauen Deutschlands, mit einem politischen und zugleich internationalem Thema, befasste sich mit der Situation islamischer Frauen. Vorurteile konnten bei der Gesprächsrunde beseitigt werden, denn alle Teilnehmerinnen waren sich sicher, in Zukunft Frauen mit Kopftüchern anders zu begegnen. Ikbal Berber, Fachfrau für interkulturelle Kommunikation und Landtagsabgeordnete berichtete, dass sich ihr Sohn bei jungen Frauen mit Kopftuch fragt "will sie es jetzt oder muss sie es jetzt?" Diese Frage werden sich wohl in Zukunft die Teilnehmerinnen der Runde auch stellen. Fatma Cakir, die sich im Ausländerbeirat in St. Ingbert engagiert und die aus eigener Überzeugung ein Kopftuch trägt, berichtete, dass andere Eltern aus der Schule ihrer Töchter sie zunächst nicht gegrüßt hätten. Erst als die Kinder sich befreundeten, konnte sich ein normales Miteinander entwickeln und festgestellt werden, dass es ganz ähnliche Interessen und Lebensweisen gibt. Als sie berichtete, dass ihr Mann nicht gewollt habe, dass sie arbeiten geht, sondern stolz darauf sei, die Familie ernähren zu können, sahen die Clubfrauen und deutschen Gäste viele Parallelen zu Deutschland und der Nachkriegsgeneration.
Die von der Moderatorin und Clubfrau Marion Bredebusch eingangs bewusst überzeichnete Frage, ob nun alle Frauen mit Kopftuch Fundamentalistinnen seien, konnte so glaubwürdig verneint werden. Ikbal Berber verdeutlichte noch, dass aus Ihrer Sichtweise ein Kopftuch weder in Schulen noch in öffentlichen Berufen akzeptabel sei. Sie betonte, dass sie generell gegen religiöse Symbole sei und auch für die Verbannung von Kreuzen in Schulen oder auch im Landtagsgebäude. Sie akzeptiere die Entscheidung einzelner Frauen für ein Kopftuch. Ihr ginge es vor allem um die Trennung von Religion und Staat. Für diese Position fand sie Unterstützung bei Durdane Igneci vom türkischen Elternbund aus St. Ingbert, die von der Kopftuchdiskussion als symbolischer Diskussion ausgehend zusammen mit Ikbal Berber tiefere Einblicke in den Koran und in die Auslegungen gab.
Sehr gut gefiel den Teilnehmerinnen der Spruch "Das Paradies liegt unter den Füßen der Mütter" auch wenn er teilweise eine Idealisierung darstellt. Wichtig war vor allem die Interpretation, dass sich der Koran auch an Veränderungen anpassen sollte, auch hier fanden sich Parallelen zum Christentum. Dieser interkulturelle Austausch ermöglichte die Probleme anscheinend entfernter Regionen besser zu verstehen bzw. diese näher zu holen. Auch das Wissen über Musliminnen, die hier wie dort leben und arbeiten, konnte verstärkt werden und viele fanden erstaunlich, dass auch die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für islamische Frauen von zentraler Bedeutung ist.
Zur Frage, welche Veränderungs- und Gestaltungsmöglichkeiten Musliminnen in Deutschland oder in ihren jeweiligen Ländern haben, wurde sehr intensiv am Beispiel von Sprachenentwicklung in Kindergärten diskutiert. Hier sei es wichtig, den Sprachen der Kinder, die diese Einrichtungen besuchen, Wert zu geben. Fatma Cakir berichtete von einem Projekt, in dem erst durch Ihre Aktivitäten ermöglicht wurde, dass die türkischstämmigen Kinder nicht mehr nur unter sich spielen und die deutschen nun auch einige Worte in türkisch sprechen können. Warum soll nur englisch oder französisch gesprochen werden, wenn andere Ressourcen genutzt werden können? Alle waren sich aber einig darin, dass es wichtig sei, deutsch zu lernen. Hier war eine der am häufigsten genannten Forderungen an diesem Abend die nach Sprachkursen für islamische Frauen. Es gäbe hierzu einen enormen Bedarf an finanzierbaren Angeboten. Ikbal Berber war wichtig, dass Bildung im humboldtschen Sinne die Stärkung der Persönlichkeit auch zu Toleranz und einem friedlichen Miteinander vermitteln solle und sie kritisierte, dass alle Gesetze bislang noch kein schlüssiges Integrationskonzept erkennen ließen. Generell wurde interkulturelle Veranstaltungen aller Art als sehr wichtig empfunden, als positives Beispiel wurde der interkulturelle Markt in St. Ingbert benannt. Interkulturell ging es auch bei dieser Diskussion zu, denn Marion Bredebusch als Moderatorin und auch die Clubgäste freute das grosse Temperament und Engagement der drei islamischen Teilnehmerinnen, was dazu beitrug, dass man nicht bei der Kopftuchdebatte stehenblieb, sondern tief in die Facetten islamischer Welten eintauchte.
Die nächste BPW-Veranstaltung hat erneut eine politische Dimension. Am 14. Juli wird um 20.00 Uhr im Cinestar eine Diskussion mit Vertreterinnen der für den Landtag kandidierenden Parteien stattfinden und es dreht sich um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Interessentinnen können unter 0 681 93 86 178 oder info@bpw-saarbruecken.de Kontakt aufnehmen.

 

 

 

 

 

 

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