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Die erste Veranstaltung des BPW Club's Saarbrücken, dem Verband berufstätiger
Frauen Deutschlands, mit einem politischen und zugleich internationalem Thema,
befasste sich mit der Situation islamischer Frauen.
Vorurteile konnten bei der Gesprächsrunde beseitigt werden, denn alle Teilnehmerinnen
waren sich sicher, in Zukunft Frauen mit Kopftüchern anders zu begegnen.
Ikbal Berber, Fachfrau für interkulturelle Kommunikation und Landtagsabgeordnete
berichtete, dass sich ihr Sohn bei jungen Frauen mit Kopftuch fragt "will sie es
jetzt oder muss sie es jetzt?" Diese Frage werden sich wohl in Zukunft die
Teilnehmerinnen der Runde auch stellen. Fatma Cakir, die sich im Ausländerbeirat
in St. Ingbert engagiert und die aus eigener Überzeugung ein Kopftuch trägt,
berichtete, dass andere Eltern aus der Schule ihrer Töchter sie zunächst nicht
gegrüßt hätten. Erst als die Kinder sich befreundeten, konnte sich ein normales
Miteinander entwickeln und festgestellt werden, dass es ganz ähnliche Interessen
und Lebensweisen gibt. Als sie berichtete, dass ihr Mann nicht gewollt habe, dass
sie arbeiten geht, sondern stolz darauf sei, die Familie ernähren zu können, sahen
die Clubfrauen und deutschen Gäste viele Parallelen zu Deutschland und der
Nachkriegsgeneration.
Die von der Moderatorin und Clubfrau Marion Bredebusch eingangs bewusst überzeichnete
Frage, ob nun alle Frauen mit Kopftuch Fundamentalistinnen seien, konnte so glaubwürdig
verneint werden. Ikbal Berber verdeutlichte noch, dass aus Ihrer Sichtweise ein Kopftuch
weder in Schulen noch in öffentlichen Berufen akzeptabel sei. Sie betonte, dass sie
generell gegen religiöse Symbole sei und auch für die Verbannung von Kreuzen in Schulen
oder auch im Landtagsgebäude. Sie akzeptiere die Entscheidung einzelner Frauen für ein
Kopftuch. Ihr ginge es vor allem um die Trennung von Religion und Staat. Für diese
Position fand sie Unterstützung bei Durdane Igneci vom türkischen Elternbund aus
St. Ingbert, die von der Kopftuchdiskussion als symbolischer Diskussion ausgehend
zusammen mit Ikbal Berber tiefere Einblicke in den Koran und in die Auslegungen gab.
Sehr gut gefiel den Teilnehmerinnen der Spruch "Das Paradies liegt unter den Füßen
der Mütter" auch wenn er teilweise eine Idealisierung darstellt. Wichtig war vor
allem die Interpretation, dass sich der Koran auch an Veränderungen anpassen sollte,
auch hier fanden sich Parallelen zum Christentum. Dieser interkulturelle Austausch
ermöglichte die Probleme anscheinend entfernter Regionen besser zu verstehen bzw.
diese näher zu holen. Auch das Wissen über Musliminnen, die hier wie dort leben und
arbeiten, konnte verstärkt werden und viele fanden erstaunlich, dass auch die Frage
der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für islamische Frauen von zentraler Bedeutung ist.
Zur Frage, welche Veränderungs- und Gestaltungsmöglichkeiten Musliminnen in Deutschland
oder in ihren jeweiligen Ländern haben, wurde sehr intensiv am Beispiel von
Sprachenentwicklung in Kindergärten diskutiert. Hier sei es wichtig, den Sprachen der
Kinder, die diese Einrichtungen besuchen, Wert zu geben. Fatma Cakir berichtete von
einem Projekt, in dem erst durch Ihre Aktivitäten ermöglicht wurde, dass die
türkischstämmigen Kinder nicht mehr nur unter sich spielen und die deutschen nun auch
einige Worte in türkisch sprechen können. Warum soll nur englisch oder französisch
gesprochen werden, wenn andere Ressourcen genutzt werden können? Alle waren sich
aber einig darin, dass es wichtig sei, deutsch zu lernen. Hier war eine der am
häufigsten genannten Forderungen an diesem Abend die nach Sprachkursen für islamische
Frauen. Es gäbe hierzu einen enormen Bedarf an finanzierbaren Angeboten. Ikbal Berber
war wichtig, dass Bildung im humboldtschen Sinne die Stärkung der Persönlichkeit auch
zu Toleranz und einem friedlichen Miteinander vermitteln solle und sie kritisierte,
dass alle Gesetze bislang noch kein schlüssiges Integrationskonzept erkennen ließen.
Generell wurde interkulturelle Veranstaltungen aller Art als sehr wichtig empfunden,
als positives Beispiel wurde der interkulturelle Markt in St. Ingbert benannt.
Interkulturell ging es auch bei dieser Diskussion zu, denn Marion Bredebusch als
Moderatorin und auch die Clubgäste freute das grosse Temperament und Engagement der
drei islamischen Teilnehmerinnen, was dazu beitrug, dass man nicht bei der
Kopftuchdebatte stehenblieb, sondern tief in die Facetten islamischer Welten eintauchte.
Die nächste BPW-Veranstaltung hat erneut eine politische Dimension. Am 14. Juli wird um
20.00 Uhr im Cinestar eine Diskussion mit Vertreterinnen der für den Landtag kandidierenden
Parteien stattfinden und es dreht sich um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Interessentinnen können unter 0 681 93 86 178 oder
info@bpw-saarbruecken.de Kontakt aufnehmen.
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