|
Stehen
eine Elster, ein Schimpanse, ein Elefant und ein Seelöwe
vor einem Prüfer. Sagt der: "Im Sinne einer gerechten
Auslese ist die Aufgabe für alle gleich: Klettern Sie
auf einen Baum". Damit ist klar: Nur um gleiche Chancen
kann es beim Gender Mainstreaming nicht gehen, weil die Menschen
zu verschieden sind. Aber worum geht es bei diesem verflixten
Gender Mainstreaming (GM), das die EU in ihren Vertrag von
Amsterdam aufgenommen hat?
Dazu hatte der SJV-Vorstand Marion Bredebusch,
Gendertrainerin aus dem Saarland, eingeladen. Die machte klar:
GM ist alles und für Journalisten ein Muss. Für
Journalistinnen auch. Erfordert es doch ständigen Perspektivenwechsel,
eine Grundbedingung für unseren Beruf. Der Feminismus
in den 80ern betrachtete die Bedürfnisse der Frauen.
Jetzt werden die Lebenswirklichkeiten beider Geschlechter
in den Vordergrund gehoben. Vertikal und horizontal.
Das heißt zum Beispiel: Dass Frauen in
den Medien auch im 21. Jahrhundert vor allem als schönes
Beiwerk vorkommen, wies Bredebusch anhand einer Analyse der
SZ nach. Das ist erschreckend, aber nicht unbekannt. Dass
aber Kindergärten in erster Linie nur mädchengerecht
sind, war für die meisten völlig neu. Wer kleine
Kinder hat, blickt aus einer anderen Perspektive als jemand,
dessen Kinder in einen Beruf finden müssen oder jemand,
der aus beruflichen Grünen (wie viele Journalistinnen)
gar keine Kinder hat.
Die Planung eines Stadtparks unter GM-Gesichtspunkten
bedeutet, dass es Rückzugsecken für pubertierende
Mädchen gibt, Schach- oder Bouleplätze für
Männer. Aufgabe der Medien ist es, die entsprechenden
Fragen zu stellen, was vielen Themen ganz neue Wendungen geben
kann. Pisa-Spitzenreiter Finnland hatte jeden, der wichtig
war im Land, aufgerufen, an Gendertrainings teilzunehmen.
Skandinavien ist ohnehin ein Modell. Auch die Bundesregierung
hat sich GM auf die Fahnen geschrieben, jüngst auch die
Landesregierung im Saarland. Der SJV will nun kooperieren,
sofern das möglich ist, und den Mitgliedern eigene Trainings
anbieten.
Lisa Huth
|