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quelle: Journaille, Saarländischer Journalistenverband, Ausgabe 30, S. 2, Januar 2005
http://www.saarcom.de/sjv/

Der Mensch ist zwei
Gender Mainstreaming verlangt ständigen Perspektivenwechsel

Stehen eine Elster, ein Schimpanse, ein Elefant und ein Seelöwe vor einem Prüfer. Sagt der: "Im Sinne einer gerechten Auslese ist die Aufgabe für alle gleich: Klettern Sie auf einen Baum". Damit ist klar: Nur um gleiche Chancen kann es beim Gender Mainstreaming nicht gehen, weil die Menschen zu verschieden sind. Aber worum geht es bei diesem verflixten Gender Mainstreaming (GM), das die EU in ihren Vertrag von Amsterdam aufgenommen hat?

Dazu hatte der SJV-Vorstand Marion Bredebusch, Gendertrainerin aus dem Saarland, eingeladen. Die machte klar: GM ist alles und für Journalisten ein Muss. Für Journalistinnen auch. Erfordert es doch ständigen Perspektivenwechsel, eine Grundbedingung für unseren Beruf. Der Feminismus in den 80ern betrachtete die Bedürfnisse der Frauen. Jetzt werden die Lebenswirklichkeiten beider Geschlechter in den Vordergrund gehoben. Vertikal und horizontal.

Das heißt zum Beispiel: Dass Frauen in den Medien auch im 21. Jahrhundert vor allem als schönes Beiwerk vorkommen, wies Bredebusch anhand einer Analyse der SZ nach. Das ist erschreckend, aber nicht unbekannt. Dass aber Kindergärten in erster Linie nur mädchengerecht sind, war für die meisten völlig neu. Wer kleine Kinder hat, blickt aus einer anderen Perspektive als jemand, dessen Kinder in einen Beruf finden müssen oder jemand, der aus beruflichen Grünen (wie viele Journalistinnen) gar keine Kinder hat.

Die Planung eines Stadtparks unter GM-Gesichtspunkten bedeutet, dass es Rückzugsecken für pubertierende Mädchen gibt, Schach- oder Bouleplätze für Männer. Aufgabe der Medien ist es, die entsprechenden Fragen zu stellen, was vielen Themen ganz neue Wendungen geben kann. Pisa-Spitzenreiter Finnland hatte jeden, der wichtig war im Land, aufgerufen, an Gendertrainings teilzunehmen. Skandinavien ist ohnehin ein Modell. Auch die Bundesregierung hat sich GM auf die Fahnen geschrieben, jüngst auch die Landesregierung im Saarland. Der SJV will nun kooperieren, sofern das möglich ist, und den Mitgliedern eigene Trainings anbieten.

Lisa Huth

 

 

 

 

 

 

 

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