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Geschichten aus meinen Seminaren
Lebenszeit
Es ist Zeit
Sagt die Zeit
Besinne dich
Ich bin da für dich
Sagt die Zeit
Nutze mich
Du hast mein Herz
Sagt die Zeit
Wärme mich
Ich liebe dich
Sagt die Zeit
Meine Zeit ist dein
Vergesse mich
Sagt die Zeit
Mein Atem ist still für Dich
Zögere nicht
Sagt die Zeit
Ich bin kostbar
Lebe mich
Sagt die Zeit
Glück ist Gnade
Sei dankbar
Sagt die Zeit
Ich muss weiter
Vertraue mir
Sagt die Zeit
Ich komme zurück
Mit Lebenszeit...
Reinhard Lehmitz
Mitgeben möchte ich Ihnen auch noch eine Geschichte vom Urteilen, die für mich
aber auch sehr gut zum Thema LOSLASSEN passt, was für immer mehr Menschen ein Thema
ist und was für mich ein Schlüssel zum Erfolg ist. Sie mögen sich vielleicht wundern:
Da hält sie Seminare zum Thema „Erfolg durch die Kraft von Visionen und positivem
Denken“ und gleichzeitig redet sie vom Loslassen. Kein Widerspruch aus meiner Sicht,
denn wie viele verfolgen sehr verbissen und zäh ein Ziel und vergeuden dabei soviel
Energie, dass sie nicht in die Richtung ihrer Vision kommen, sondern durch Widerstände
abgehalten werden, die mit mehr Lockerheit und weniger Krampf vielleicht nicht
entstehen würden.
Hier nun die Geschichte:
Vom Urteilen
Es war einmal ein alter Mann, der in einem kleinen Dorf wohnte. Er war sehr arm,
doch sogar Könige beneideten ihn um sein schönes, weißes Pferd. Viele hatten das Pferd
bereits kaufen wollen, doch der Mann hatte das immer abgelehnt.
Eines Morgens entdeckte der Mann, dass das Pferd nicht mehr im Stall stand. Das ganze
Dorf kam und redete auf den Mann ein: „Was bist du doch für ein Dummkopf gewesen! Du
hättest das Pferd verkaufen sollen, dann hättest du jetzt ein wenig Geld, um am Ende
deines Lebens davon zu leben. Nun ist das Pferd gestohlen worden, und du hast weder
Geld noch das Pferd. Welch ein Unglück!“
Der alte Mann antwortete: „Das können wir nicht wissen. Das Einzige, was wir wissen,
ist, dass das Pferd nicht mehr im Stall steht. Das ist das Einzige, was wir sicher
wissen, alles andere sind Vorurteile. Ob das ein Unglück oder eine Segen ist, das wissen
wir noch nicht, denn das, was wir sehen können, ist nur ein Fragment des Lebens. Wer weiß
schon, was noch passieren wird?“
Die Leute im Dorf lachten den Mann aus. Man hatte immer schon gedacht, dass er ein
bisschen merkwürdig war, ein wenig verrückt – und nun hatten sie den Beweis dafür.
Doch vierzehn Tag später kam das Pferd plötzlich wieder zurück. Es war gar nicht gestohlen
worden, sondern ausgebrochen und in die Wildnis gegangen. Und nun kam es zurück, zusammen
mit zwölf anderen weißen Pferden, die genauso schön waren wie es selbst.
Die Leute im Dorf kamen zusammen und wunderten sich: „Alter, du hattest Recht. Das war
wirklich kein Unglück, dass dein Pferd verschwunden ist. Jetzt sehen wir, welch ein Segen
es gewesen ist!“
Der alte Mann antwortete: „Das können wir nicht wissen. Das Einzige, was wir wissen, ist,
dass mein Pferd zurückgekommen ist. Ob das Unglück oder ein Segen ist, das wissen wir noch
nicht. Wenn man nur ein einziges Wort eines Satzes liest, wie kann man da das ganze Buch
beurteilen?“
Dieses Mal lachten die Dorfbewohner den Mann nicht offen aus, doch tief in sich wussten
sie, dass er Unrecht hatte. Er hatte ja nun dreizehn schöne Pferde, über die er sich freuen
konnte.
Der Sohn des alten Mannes begann damit, die Wildpferde zuzureiten. Doch nach nur einer
Woche fiel er von einem der Wildpferde und brach sich das Bein.
Die Leute des Dorfes kamen wieder zusammen: „Denk mal, du hattest Recht! Das war ganz
offensichtlich ein Unglück, dass diese Pferde zu dir gekommen sind. Nun hat sich dein
einziger Sohn ein Bein gebrochen, er, der das Geld für euch beide verdiente. Nun bist
du ärmer als jemals.“
Der alte Mann antwortete: „Das können wir nicht wissen. Das Einzige, was wir wissen,
ist, dass mein Sohn sich das Bein gebrochen hat. Ob das ein Unglück ist oder ein Segen,
das wissen wir noch nicht. Ein einziger Pinselstrich ist nicht ausreichend, um das ganze
Bild zu beurteilen.“
Einen Monat später brach im Land Krieg aus und alle jungen Männer des Dorfes wurden
eingezogen. Doch der Sohn des alten Mannes wurde nicht eingezogen, weil er am Bein verletzt war.
Die Dorfbewohner kamen wieder bei dem alten Mann zusammen: „Du hattest Recht! Dass dein
Sohn sich das Bein gebrochen hat, war alles andere als ein Unglück. Natürlich ist er immer
noch verletzt, aber immerhin kann er weiterhin bei dir sein. Welch ein Segen! Wir sehen
unsere Söhne vielleicht nie mehr wieder.“
Und der alte Mann antwortete: „Das können wir nicht wissen. Alles, was wir wissen, ist,
dass eure Söhne in den Krieg ziehen mussten und dass mein Sohn hier ist. Ob das ein
Unglück ist oder ein Segen, das wissen wir noch nicht. Urteilt nicht, das lässt die
Sinne erstarren. Das Einzige, was wir wissen, ist, dass die Wege des Lebens unendlich
sind. Ein Weg kommt an sein Ende, ein anderer Weg hat gerade erst angefangen. Eine Tür
schließt sich, eine andere tut sich auf. Man erreicht die Bergspitze, doch es findet
sich eine höhere Spitze irgendwo anders. Das Leben ist eine Reise. Was hinter einer
Wegbiegung wartet, wissen nur diejenigen, die weitergehen.“
Und zu dieser Geschichte passt auch wunderbar die Strophe von
Dietrich Bonhoeffer:
Von guten Mächten wunderbar umgeben,
erwarten wir getrost, was kommen mag ...
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