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Kolumne 1 – erschienen Im Hassanzadeh-Magazin 2/2007
"Alter ist irrelevant, es sei denn, du bist eine Flasche Wein."
Joan Collins (*1933), britische Schauspielerin (Denver Clan)
Kolumne des positiven Denkens - von Marion Bredebusch
Das Alter - und die Lust und der Mut zur Veränderung
Kennen Sie das auch? Da wünscht Ihnen jemand zum Geburtstag "bleib so, wie
Du bist!" Das ist natürlich ein wirklich gut gemeinter Wunsch - aber was heißt
das wirklich?
Das heißt natürlich, dass ich toll so bin wie ich bin - aber das heißt auch,
dass ich mich nicht verändern soll. Da steckt auch drin, werde nicht älter,
werde nicht reifer.
Auch wenn das niemand so meint, der oder die diesen Spruch zum Geburtstag
schenkt, ist es doch eine Aufforderung zum Stillstand. Bleiben und warten ist
auch was Schönes, aber ich entwickele mich doch von Tag zu Tag weiter, jeden
neuen Tag habe ich schon wieder ein Stück dazugelernt über das Leben, über die
Menschen, über mich. Ich habe z.B. gelernt, dass ich mich doch ab und zu noch
bei der Einschätzung von Menschen täusche, oder ich habe ein tolles Buch
gelesen und daraus neues Wissen geschöpft, oder ich habe durch ein Gespräch
gelernt, dass es noch Seiten in mir selbst gibt, die ich noch gar nicht so gut
kenne oder ich habe durch meine Kinder wieder entdeckt, wie schön es ist, barfuss
durch den Wald zu laufen. Was immer ich gelernt habe, es ist gut so. Ich lerne,
und somit lebe ich.
Da gibt es die 70jährige Mutter eines Bekannten, die erst vor kurzem im Internet
surfen gelernt hat, da ist der 74jährige, der schon mehrere Seminare bei mir
besucht hat, Psychologie studiert und schon tolle Reden in meinen Seminaren
gehalten hat.
Da sind die ungefähr 40jährigen, die in der guten Mitte ihres Lebens stehen
(wobei es bald nicht mehr die Mitte, sondern das Drittel sein wird) innehalten,
zurückblicken und überlegen, ob das alles gewesen sein soll und wohin es in
Zukunft gehen soll.
In jeder Lebensphase, mit jedem älter werden, stellen sich uns neue
Herausforderungen und Aufgaben. Marie von Ebner-Eschenbach hat so schön
gesagt: "Alt werden heißt sehend werden."
Wichtig ist noch, dass schon die Jungen sich auf das Alter vorbereiten, es
respektieren und als ihren Weg vor sich sehen: Im Seneca-Dialog über das Alter
heißt es sinngemäß: wenn Ihr Jungen das Alter verachtet (weil triefnäsig,
inkontinent und dement …), dann werdet Ihr Euch in Eurem Alter selbst verachten.
Wenn Ihr aber lernt, den Alterungsprozess auch als Reichtum der Erfahrung zu
achten, dann werdet Ihr Euer eigenes Alter selbstbewusst gestalten.
Doch wie reagiert die Gesellschaft auf das älter werden, auf das Alter? Wie
gehen die Medien damit um?
Es wird von einer überalternden Gesellschaft gesprochen - und damit eine Art
Horrorszenario an die Wand gemalt. Doch was ist schlimm daran, dass es glücklich,
muntere und aktiv ihr Leben gestaltende Menschen gibt, die die Zeit nach der
Erwerbstätigkeit schätzen und genießen? Es gibt natürlich auch die älteren
Menschen, denen es - wie bei den jüngeren auch - nicht gut geht, die krank sind
und einsam oder arm, die will ich hier nicht ausblenden.
Mit der Aussage der Überalterung ist in Wirklichkeit gemeint, dass wir zu
wenig Kinder haben - warum sprechen wir dann nicht von einer kinderlosen statt
alternden Gesellschaft? Da liegt doch das Problem, und nicht bei den alten
Menschen (das sind übrigens gerade die, die noch viele Kinder in die Welt gesetzt
haben).
Oder da gibt es die Anti-Age Creme - Creme gegen das Alter. Natürlich kann
ich mit Schönheitsoperationen und Cremes den Alterungsprozess der Haut verzögern,
ein wenig zumindest, natürlich ist es auch sinnvoll, sich die Haut einzucremen -
aber kann ich das Alter damit aufhalten? Will ich überhaupt das Alter damit
aufhalten, jede Falte, jedes Grübchen, das zeigt, wie viel ich gelacht habe,
aber auch, wie viel ich erlebt habe? Die gehören zu meinem Leben wie die Freuden
und Krisen auch. Als ob die Anti-Age Cremes noch nicht genug seien, habe ich
sogar vor kurzem eine Anti-Mimik Creme entdeckt. Darf mein Gesicht jetzt keine
Mimik mehr zeigen? Manche Geschäfte mit der Angst vor dem Alter führen wirklich
zu absurden Ideen - ein Gesicht ohne Mimik, ein Mensch ohne Mimik hat wirklich
gar keine Ausstrahlung. Ich bin stolz auf meine ausdrucksstarke Mimik und habe
das Cremetöpfchen gleich zurück gestellt - nur, welche Creme soll ich nun nehmen?
Ich warte auf eine, die heißt: Altern sie mit Freude und pflegen Sie Ihre Haut
(es darf auch etwas kürzer sein). Wie wär's mit Beautiful Age?
Coco Chanel hat hierzu mal gesagt: "Das Alter hat keinerlei Bedeutung. Man kann
mit zwanzig hinreißend sein, mit vierzig charmant und den Rest seiner Tage
unwiderstehlich."
Doch das absurdeste am Alter ist die Tatsache, dass vielen Menschen über 40
gesagt wird, sie seien zu alt für den Arbeitsmarkt. Doch werden Manager,
Bundesrichterinnen, Präsidenten und Päpste nicht erst in einem viel höheren
Alter eingestellt und wird ihnen nicht gerade aufgrund ihrer Reife zugetraut,
die wichtigen Aufgaben zu bewältigen? Haben nicht gerade ältere Menschen die
größte Ausstrahlung, das größte Charisma?
Bleiben Sie also nicht, wie sie sind, und sie werden die anderen Menschen von
ihrer Ausstrahlung und ihrem Charisma begeistern, entwickeln Sie sich aktiv,
genießen Sie Ihr jeweiliges Alter und freuen Sie sich auf Ihre Zukunft - und
vor allem, bleiben Sie dabei immer eine Spur persönlicher …
In diesem Sinne wünscht Ihnen eine schöne Zeit,
Ihre
Marion Bredebusch
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